„Der Moment nach dem Pfiff ist der wichtigste“ News: Verein, Topnews

Foto (media-konzept/DHB): Unser Schiedsrichter in der 3. Liga: Johannes Ruchatz (rechts) mit seinem Schiri-Partner Jan-Philipp Bornewasser.

Johannes Ruchatz leitet ab Samstag offiziell Spiele in der 3. Liga

Sie haben den Sprung von der Regionalliga in die 3. Liga geschafft: Johannes Ruchatz (26 Jahre) und Jan-Philipp Bornewasser (25). Beide sind als Unparteiische beim VfV Spandau gemeldet. Johannes Ruchatz, dessen Heimatverein der Oranienburger HC ist, ist der einzige Drittliga-Schiedsrichter aus Oberhavel. Am Wochenende leitet das Duo aus dem Anschlusskader das erste Spiel. 

Johannes, du wirst mit deinem Schiedsrichterpartner Jan-Philipp Bornewasser ab dieser Saison Spiele in der 3. Liga leiten. Wie läuft so ein Aufstiegsprozedere ab? 

Das ist ein recht langer Weg. Zunächst einmal muss man sich sowieso von Kader zu Kader nach oben arbeiten. Wir waren zuletzt im A-Kader der Regionalliga. Dort wird man beobachtet und erhält Punkte. Wir wurden für die 3. Liga vorgeschlagen. Wer das will, muss zwei Videos von Spielen einreichen, die wir in der Regionalliga geleitet haben; dazu das Ergebnis von einem 30-MinutenLauftest und ein Video vom Shuttle-Run – eine Art Sprinttest. Wenn soweit alles in Ordnung ist, dann bekommt man – so war es bei uns – zwei Ansetzungen in der 3. Liga der Frauen, um bei realen Bedingungen auf die Probe gestellt zu werden. Zum Ende der letzten Saison leiteten wir die Spiele Schwerin gegen Buxtehude II und Todesfelde gegen Buxtehude II. Ich denke, unsere Leistungen waren in beiden Spielen ganz in Ordnung.

Wie lief die Vorbereitung auf die 3. Liga ab? 

Das ist ähnlich wie in der Liga darunter. Formal absolviert man einen Präsenzlehrgang mit Regel-, Video- und Lauftests. Wenn die erfolgreich verlaufen, hat man es geschafft. In der Praxis gehören aber Lauftraining, Vorbereitungsspiele und ständiges Weiterbilden auch dazu.

Wie groß ist der Radius, in dem ihr euch künftig bewegen werdet? 

Der Ansetzungsradius ist bei Einzelspielen normalerweise in der Spitze bis zu 450 Kilometer. Rechnerisch müssten wir damit nahezu alle Staffeln in Deutschland – zumindest in der Theorie – erreichen können.

Wie wichtig ist Kommunikation auf dem Spielfeld?

Fast wichtiger als Regeltechnik. Es ist natürlich wichtig, die Handballregeln zu können. Doch es nutzt nichts, wenn man sie perfekt beherrscht, aber es nicht schafft, sie sie adressatengerecht und der Situation angemessen umzusetzen. Man muss gut kommunizieren, um ein Spiel gut leiten zu können. Wir sind ja nicht nur Schiedsrichter im Sinne von richten, sondern in der Praxis viel mehr Spielleiter im Sinne von leiten. Ich glaube, das ist auch unsere große Stärke. Bei einer Entscheidung ist der Moment nach dem Pfiff der wichtigste. Da kann man sofort kommunizieren, warum die Entscheidung so gefallen ist. Verbaler wie auch nonverbaler Einfluss auf das Verhalten der Spieler nehmen wir im laufenden Spiel genauso, wie auch beim Treffen der Entscheidungen. 

Der Aufstieg in die 3. Liga ist der nächste Schritt in eurer Entwicklung. Ihr seid Mitte 20, in einem ambitionierten Alter. Schaut ihr weiter nach oben?

Vom Alter her sind wir gut dabei, aber wir wagen noch nicht, weit nach vorne zu schauen. Wir kennen auch die Belastung in der 3. Liga noch nicht. Es ist schon ein Unterschied, ob ich am Samstag nach Altlandsberg fahre oder wesentlich weitere Strecken. Wir freuen uns auf unsere anstehenden nächsten Schritte und sehen die 3. Liga nunmehr als unsere nächste große Aufgabe an. Nicht zu vergessen ist, dass in der 3. Liga die Vor- und Nachbereitung aufwändiger ist. Wir sichten Videomaterial der Spiele, absolvieren mit anderen Schiedsrichtern Stützpunkteinheiten und müssen monatlich Ausdauerläufe einreichen. Es ist nicht damit getan, dass wir mal am Wochenende eben ein Spiel leiten, sondern es hängt noch mehr daran. Jetzt legen wir erstmal los und sind glücklich über das, was da noch kommt.

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