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17.11.2008

„Das glaubt kein Mensch“
Nach dem Knaller-Sieg des OHC

ORANIENBURG - Die Serie hält und hält und hält. Jetzt sind es schon 11:1 Punkte, die die Handballer des Oranienburger HC OHC) in den letzten sechs Partien sammelten.

„Ich glaube es gar nicht, wenn ich auf die Anzeigetafel sehe“, sagte Ralf Nickel vom OHC-Vorstand am vergangenen Sonnabend nach dem 37:25 gegen den Meisterschaftsmitfavoriten SG Flensburg-Handewitt II. „Wenn das Ergebnis im Videotext steht, glaubt das kein Mensch.“ Der ehemalige Kapitän der Ersten des OHC sollte Recht behalten. Der Aufschrei in der Liga ist da. Schon gut zwei Stunden später bedankte sich der VfL Potsdam – vor den Flensburgern auf Platz 1 der Tabelle liegend – auf der Internetseite des Oranienburger HC. Der OHC hat mit dem Sieg den Potsdamern Schützenhilfe geleistet, sich aber selbst wertvolle Punkte gesichert.
„Gegen den Abstieg“, versichert Trainer Holger Winselmann. „Eigentlich gucken wir gar nicht auf die Tabelle, denn wir wussten, dass wir unsere Punkte für den Klassenerhalt holen werden. Wenn wir nun doch auf die Tabelle blicken, sind es nicht viele Punkte Vorsprung vor den unten stehenden Teams. Zumal wir nicht wissen, wie viele Absteiger es gibt.“

Peter Frank, Trainer vom Liga-Konkurrenten BFC Preussen, fragte sicherheitshalber noch einmal nach der Höhe des Sieges. „Gratulation“, war seine ehrlich gemeinte Reaktion.

Der sachliche Weitblick des Trainers wurde am Sonnabend für ein paar Stunden weggeschoben. Ausgelassen tanzten die Spieler nach der Schlusssirene übers Parkett: allein, zu zweit, im Kreis. OHC-Spieler Tim Fröhlich sprach von einem „geilen Spiel“, Kapitän Riccardo Tourmo fragte „gut, wa?“, und Torwart Gunnar Tredup ironisierte: „beim nächsten Mal wird’s besser.“ Im Kabinengang begegneten sich Holger Winselmann und der verletzte Stephan Fuchs. Beide waren in den vergangenen Wochen öfter „ein Pärchen“. Doch sie klatschten sich ab und umarmten sich.
OHC-Präsident Werner Siegler sprach noch gestern vom „besten Spiel des Oranienburger HC“.

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 18.11.2008, Stefan Blumberg


Glückwunsch vom Minister
Handball: Oranienburger HC steigert sich weiter

An diese Regionalliga-Begegnung wird man sich beim Oranienburger Handball-Club noch lange erinnern. Mit 37:25 (17:16) fegten die Kreisstädter die zuvor in dieser Saison noch ungeschlagene SG Flensburg-Handewitt II förmlich vom Parkett (wir berichteten).

Samstagabend, gegen 19.15 Uhr in der Louise-Henriette-Halle, es läuft die 52. Spielminute: Der OHC führt mit 32:22 gegen völlig konsternierte Flensburger, das Spiel ist längst entschieden. Zumal Oranienburg erneut im Angriff ist. Plötzlich geht der Ball verloren, im hohen Bogen segelt er durch die Luft. Doch Mannschaftskapitän Ricardo Tourmo - nicht gerade ein Riese - gibt das runde Leder nicht verloren. Zusammen mit seinem etwa zwei Köpfe größeren Gegenspieler hechtet er nach dem Ball. Eigentlich hat er keine Chance, da irgendwie heran zu kommen. Doch an diesem Tag ist alles anders. Die Szene versinnbildlicht wie keine andere, wie jeder einzelne OHC-Akteur diesmal förmlich über sich hinauswächst. Der pure Willen lässt ihn höher springen als sein Gegenüber und dann ist der Ball zurück in den eigenen Reihen. Es gibt Szenenapplaus von den Rängen.

Als das Spiel abgepfiffen ist, kennt der Jubel keine Grenzen. Immer wieder geht der Blick auf die Anzeigetafel. "37:25" steht da nüchtern. Nicht wenige hätten eher auf ein "25:37" getippt. Auch Heiner Throl, der insgesamt drei Tore wirft, kann es nicht glauben: "Hätte mir vor dem Spiel jemand gesagt, wir gewinnen hier mit zwölf Toren Unterschied, ich hätte ihn wohl für verrückt erklärt." Eine richtige Erklärung für die Leistung seines OHC hat auch er nicht. "Wir haben heute mit viel Mut und Herz gespielt. Schon die erste Halbzeit war unglaublich. Dass wir dann noch mal eine Schippe drauflegen können, ich hätte es kaum für möglich gehalten."
 

Presseartikel Oranienburger Generalanzeiger, 18.11.2008, Thomas Gutke/Jürgen Zinke


„Ich dachte, wir verlieren hoch!“

Sascha KlimczakSascha Klimczak war am Sonnabend mit seinen zehn – zum Teil spektakulären - Toren auffälligster Akteur des OHC. MAZ-Redakteur Stefan Blumberg sprach mit dem 24-Jährigen.

MAZ: Hätten Sie solch ein Ergebnis vorhergesagt?
Sascha Klimczak: Ich hätte gedacht, wir verlieren. Und zwar eindeutig.

Warum, Ihr Team hat doch einen guten Lauf?
Klimczak: Sicherlich, aber das Spiel in Neubrandenburg gefiel mir schon nicht so gut. Und außerdem habe ich gegen Flensburg bisher immer verloren.

Warum lief es dann anders?
Klimczak: Die werfen sonst immer 35, 40 Tore. Sie hatten Probleme mit unserer Deckung. Und wir haben gegen deren Abwehr unsere Mittel gefunden.

Sie werden seit Wochen von Ihrem Teamkollegen, auch vom Trainer, gelobt. Wie beurteilen Sie ihre Leistungen?
Klimczak: Es gibt mal bessere und mal schlechtere Tage. Gegen Flensburg lief bei mir in der ersten Hälfte nicht viel zusammen, mir unterliefen zu viele technische Fehler. Im zweiten Abschnitt war es dann besser. Auch wenn ich gegen so eine 6:0-Abwehr nicht so gerne spiele – mit solchen Nebenleuten wie Heiner Throl oder Tim Fröhlich klappt es trotzdem gut. Beide sind auch aufgeblüht.

Jetzt hat die Mannschaft den Tabellenzweiten geschlagen. Was ist denn nun noch alles möglich?
Klimczak: Also ich glaube, dass die nächsten Spiele alle schwieriger werden. Flensborg hat eine ganz starke Mannschaft. Am kompliziertesten, so nehme ich an, ist die Begegnung in Brandenburg in zwei Wochen. Das ist ein Derby, da sind alle Spieler heiß drauf.

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 18.11.2008, Stefan Blumberg

Bild: Monika Pötschke