05 Mai 2018

Oranienburger HC - MTV Braunschweig (MAZ)

 Dennis Schmöker nimmt beim Siebenmeter Maß. Dennis Schmöker nimmt beim Siebenmeter Maß. Robert Roeske

„Wir sind heiß auf Braunschweig“

Einer der Spieler mit den stabilsten Leistungen muss beim Saisonfinale zugucken: der verletzte Dennis Schmöker. Aber der beste Torschütze des Teams (132 Treffer) wird seinem Team auch so zur Seite stehen.

Eigentlich wollte Dennis Schmöker ganz anders aus dieser Saison gehen: als Spieler auf dem Parkett gegen den MTV Braunschweig. Stattdessen war für ihn schon vor vier Wochen Schluss. Im Spiel gegen den HSV Hamburg am 7. April landete er unmittelbar vor dem Ende der Partie bei einem Gegenstoß unsanft außerhalb des Spielfeldes. Diagnose: zwei Muskelfaserrisse und ein Sehnenriss. Fazit: „Ich muss zwei bis drei Monate aussetzen. Ich hoffe, dass ich zu Beginn der Vorbereitung zur neuen Saison wieder fit bin.“ Seit dem Hamburg-Spiel ist er krankgeschrieben.

Für das Saisonfinale bleibt dem Linksaußen damit nur der Platz auf der Tribüne. Schade für die Mannschaft, schade für ihn, schade für die Fans. Denn er hat nach seiner Debüt-Saison 2016/17 auch ein beeindruckendes zweites Jahr in Oranienburg hingelegt: als erfolgreichster Torschütze, als sicherer Siebenmeterverwerter, als Motivator und als Publikumsliebling „Ich bin ganz zufrieden, meine Leistungen sind okay, auch wenn es immer Steigerungspotenzial gibt. Insgesamt bin ich auf einem guten Weg. Das hatte ich nicht unbedingt so erwartet.“ Schon das erste Jahr war für ihn geradezu sensationell verlaufen, obwohl er bei Einstieg beim OHC im Sommer 2016 wegen des Abstiegs mit den Füchsen Berlin II in die Oberliga eher in einem mentalen Tief gesteckt hatte. In Oranienburg drehte er richtig auf, wurde von den Zuschauern zum Spieler der Saison gewählt. Sein Trainer Christian Pahl schätzt den Berliner sehr. „Er hat Leidenschaft, identifiziert sich mit dem Verein, zeigt einen unbändigen Willen und besticht durch Kontinuität und Stabilität.“ Auch in diesem Jahr würde der Coach seinen Linksaußen bei der Wahl zum Spieler der Saison zum Favoritenkreis zählen.

Jetzt endet für den 24-Jährigen das zweite Jahr beim OHC. Mit dem Verlauf ist er nicht ganz glücklich. „Sicherlich konnte man nicht davon ausgehen, dass es genau so gut läuft wie im Jahr zuvor. Aber die Hinrunde war nicht gut. Problematisch für mich die Phase, in der wir sechs- oder siebenmal in Folge nicht gewonnen haben. Die Qualität der Auswärtsspiele hat wenig mit den Ansprüchen des OHC zu tun, die Heimspiele waren in Ordnung.“ Rückblickend ist sein Eindruck: „Wir als Mannschaft sind vermutlich davon ausgegangen, dass es so weiter wie im Jahr zuvor. Wir haben aus meiner Sicht zu wenig investiert. Man muss immer alles geben. Das haben wir nicht getan. Aber ich denke, dass wir diese Phase überwunden haben. Wir traten wieder so auf, wie es für den OHC typisch ist: niemals den Kopf in den Sand stecken.“ Als beispielhaft dafür nennt er die Spiele gegen Springe, Hamburg oder Altenholz. „Wir müssen uns nicht verstecken und haben uns nicht versteckt.“ Hinzu komme seiner Meinung nach der erstarkte Angriff, der häufig an der 30-Tore-Grenze kratzte oder diese knackte. „Das war bei uns lange nicht so.“

Er kennt das aus seiner handballerischen Vergangenheit auch anders. Die hatte mit vier Jahren beim BFC Preußen begonnen („Ich wollte immer Handballer werden und habe nie einen anderen Sport gemacht.“). Sein Weg führte ihn über den TSV Rudow bis zu den Füchsen Berlin. Bob Hanning lernte ihn in der Berliner Nachwuchsauswahl kennen und holte ihn zu den Füchsen. Das war zu der Zeit, als der Füchse-Manager und Nachwuchstrainer gerade in Berlin angekommen war. „Ich habe acht Jahre unter ihm trainiert. Er ist ein richtig guter Trainer, er lebt den Sport 24 Stunden am Tag.“ Und dann schlug „Denno“, wie er von seinen Mitspielern genannt wird, 2016 in Oranienburg auf. „Das ist schon was anderes, wenn du vor 800 Zuschauern in einer ersten Mannschaft spielst oder vor 50 in einer kaum beachteten zweiten Mannschaft“, vergleicht er seine Eindrücke. Dass die Strukturen beim Bundesligaverein sehr viel professioneller sind (Sportschule, Trainingsbedingungen), weiß er. Aber in Oranienburg habe sich längst etwas entwickelt und es werde weitergehen, ist er sich sicher.

Offenbar hat Dennis Schmöker hier seine sportliche Heimat gefunden. „Die Leute müssen mir zusagen, das Umfeld muss stimmen, ich will spielen. Letzteres war bei den Füchsen oft nicht so. Wenn ich mich in Oranienburg auf der Linksaußenposition mit Linus Dömeland abwechsele, ist das absolut in Ordnung. Ich fühle mich in Oranienburg wohl, habe nicht umsonst vorzeitig bis 2021 verlängert.“ Außerdem macht er in der Oberhavel-Kreisstadt eine Ausbildung zum Erzieher. Es passt also.

Noch schöner wäre es für ihn gewesen, wenn er am Sonnabend im Spiel gegen Braunschweig auflaufen könnte. So hält er seinem Team von „draußen“ die Daumen. „Klar ist für mich, dass wir auch hier wieder an unsere Leistungsgrenze gehen müssen. Die Braunschweiger agieren mit einer offensiven Abwehr, die nicht so leicht zu knacken ist. Sie hätten einige gute Einzelspieler wie Kucharik, Krause oder Czok. Auch über den Kreis seien sie stark. „Aber ich weiß: Wir sind heiß auf das letzte Spiel des Jahres in eigener Halle.“

Märkische Allgemeine Zeitung, Stefan Blumberg, 05.05.2018

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