20 Apr 2018

SG Flensburg-Handewitt II - Oranienburger HC (MAZ)

Kapitän Robin Manderscheid tankt sich durch die gegnerische Abwehr durch. Kapitän Robin Manderscheid tankt sich durch die gegnerische Abwehr durch. Robert Roeske

Der Anführer

Robin Manderscheid ist der Kapitän des Drittligateams des Oranienburger Handball-Clubs. Er äußert sich zum Spiel am Sonnabend in Flensburg, zur Qualität der Mannschaft und darüber, wie er seine handballerische Zukunft sieht.

„Vier Punkte werden wir noch holen“, sagt Robin Manderscheid selbstbewusst vor den letzten beiden Spielen in der Saison der 3. Liga. „Weil wir so auftreten werden wie in den vergangenen Spielen, auch wenn zuletzt gegen Fredenbeck im Angriff nicht alles rund lief - gerade in der Chancenverwertung. Aber das Tempo war gut. So wollen wir am Sonnabend bei der SG Flensburg-Handewitt II und am 5. Mai gegen den MTV Braunschweig spielen.“ Der Kapitän des OHC weiß, dass der letzte Sieg im hohen Norden schon einige Jahre zurück liegt. „Trotzdem glaube ich, dass wir in Flensburg punkten können.“

Der Oranienburger HC wartete in den vergangenen Wochen mit soliden Leistungen auf. „Ich weiß gar nicht, warum wir nicht in der ganzen Saison schon so gespielt haben“, fragt er sich. Sicherlich hätten die Auftritte der letzten Wochen mit der Rückkehr der Langzeitverletzten Christoph Genilke und Yannick Schindel zu tun gehabt. Und er selbst wirkt ja auch erst seit der Rückrunde wieder mit. Dies habe der Mannschaft gutgetan; sowohl im Training als auch in den Spielen. Seine eigene Rolle will er nicht überbewerten, denn er sei noch nicht im Vollbesitz seines Vermögens. „Das, was momentan von mir kommt, liegt weit hinter meinem Anspruch. Ich denke, meine Leistung liegt bei etwa 70 Prozent. Aber es wird mit jeder Trainingseinheit und jedem Spiel besser. Schade, dass die Saison jetzt fast vorbei ist. Neun Monate konnte er verletzungsbedingt nicht spielen, zuvor hatte er bereits ein halbes Jahr lang unter Schmerzen gespielt. Trainer Christian Pahl geht keineswegs so hart mit ihm ins Gericht: „Es freut uns, dass er wieder voll belastbar ist. In der Abwehr ist er schon sehr weit, in der Vorwärtsbewegung fehlt ihm noch einiges. Aber das ist doch völlig normal.“ Der Coach erklärt: „Wir wollten die Rückrunde nutzen, damit er Praxis sammeln und wieder richtig Fuß fassen kann. Er soll die neue Saison wieder sein Niveau erreichen.“ Dass sein Renommee in der Mannschaft keineswegs gelitten hat, bleibt für Christian Pahl unbestritten. „Seine Ausstrahlung ist phänomenal, er ist der Anführer.“

„Totaler Arbeiter, körperlich robust, Verstärkung für Rückraum und Kreis“ – so wurde Robin Manderscheid im Jahr 2012 beschrieben, als er von den Füchsen Berlin nach Oranienburg gewechselt war. „Das meiste davon trifft auch noch heute zu, nur am Kreis wurde ich beim OHC nicht aufgeboten.“ Das körperbetonte Spiel, welches in der Liga respektvoll zur Kenntnis genommen wird, war nicht immer typisch für ihn. Besonders am Anfang seiner Laufbahn, beim ASC/VfV Spandau: „Da war ich wirklich noch etwas schmächtiger, erst in der B und in der A-Jugend veränderte sich das“, so der Berliner. Das war die Zeit, als er der Verein mit den Füchsen Berlin fusionierte. Als kleiner Junge war es schon sein Berufswunsch, mal Handballer zu werden. Aber spätestens seit der ersten großen Verletzung - für etwa ein Jahr pausierte er wegen einer Schulterverletzung - setzte ein Umdenken ein. Nach zwei Jahren im Männerbereich bei den Füchsen wechselte er 2012 nach Oranienburg. „Sowohl Sport als auch Beruf ließen sich bei OHC vereinbaren. Und wenn ich sehe, wie sich der Verein in den letzten Jahren entwickelt hat, bin ich froh, ein Teil dessen sein zu dürfen.“ Er machte eine Bürokaufmann-Ausbildung, absolvierte ein duales Studium (BWL) und ist seit September im Personalbereich der Firma Omexom angestellt. „Der Aufwand ist nicht ohne. Ich wohne in Spandau, arbeite in Schönefeld und spiele in Oranienburg Handball. Es ist nicht so leicht, alles unter einen Hut zu bekommen. Mein Vertrag läuft noch bis zum Saisonende 2019. Ich denke, dass ich in einem halben Jahr entscheiden werde, wie und ob es weitergeht.“

Apropos weitergehen: Dass die nächste Aufgabe am Sonnabend um 19.30 Uhr in Flensburg keine leichte wird, ist dem Mann mit der Nummer 15 schon klar. Das war schon immer so bei der Profireserve. Christian Pahl spricht von einem „unangenehmen Gegner, der uns nichts schenken wird“. Jannek Klein, der während des Hinspiels im ersten Team eingesetzt war (Champions League) und den holländischen Nationalspieler Danny Baijens sieht er als exzellente Einzelkönner an. Die Flensburger würden zwar nicht soviel Kraft besitzen, würden das aber mit ihrer Schnelligkeit ausnutzen. Der Schlüssel für einen OHC-Erfolg sollte sein: körperliche Präsenz, einfache Tore werfen, Tempospiel mit viel Tiefe.

Robin Manderscheid weiß, warum es gegen die SG nie ein Zuckerschlecken war und sagt mit einem Augenzwinkern: „Ihr Mittelmann hat uns Ende letzten Jahren immer das Leben schwer gemacht. Aber der spielt ja jetzt bei uns, Per Kohnagel. Der neue Flensburger Spielmacher Baijens übt auch eine Menge Druck aus, aber ich denke, wir sollten es schaffen, in Flensburg zu gewinnen.“

Märkische Allgemeine Zeitung, Stefan Blumberg, 20.04.2018

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