13 Apr 2018

Oranienburger HC - VfL Fredenbeck (MAZ)

Immer auf der Hut: Torwart Simon Herold. Immer auf der Hut: Torwart Simon Herold. Robert Roeske

Der Mann, der das Tor vernagelt

Der OHC erwartet am Sonnabendabend in der 3. Liga Nord den abstiegsgefährdeten VfL Fredenbeck. Torwart Simon Herold geht mit seinem Team ins Spiel wie immer: mit dem Willen zum Siegen. Der 30-Jährige besitzt in der Mannschaft übrigens ein Alleinstellungsmerkmal.

Dreimal müssen die Männer des Oranienburger HC noch ran - dann ist die Saison 2017/18 Geschichte. Gibt es einen Sechs-Punkte-Plan? Torwart Simon Herold verneint und bejaht. „Das hat so sicherlich niemand gesagt. Aber andererseits treten wir ja immer an, um zu gewinnen.“ Die nächste Chance auf zwei Punkte hat der OHC am Sonnabend, 17. April, 18.30 Uhr, in eigener Halle gegen den VfL Fredenbeck. „Eine Mannschaft, die seit Jahren konstant spielt und eigentlich auch gut“, findet der OHC-Keeper. Aber er stellt auch fest, „dass die Fredenbecker in der Tabelle meist hinter dem OHC stehen“. Derzeit befinden sich die Niedersachsen in einer besonders desolaten Situation, sie befinden sich auf einem Abstiegsplatz. Und die letzten Gegner haben es in sich: Oranienburg (A, 7. Platz), Flensborg (H, 13.), Altenholz (A, 2.), Hamburg (H, 1.). „Die stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie müssen ja was tun“, findet Simon Herold. Sonst droht der Abstieg in Liga 4. Das sieht auch Oranienburgs Trainer Christian Pahl so: „Sie sind ja zum Siegen gegen uns verdammt. Das macht die Situation gefährlich. Fredenbeck wird hochmotiviert sein. Vor Wochen hätte ich noch gesagt, es wird leicht, zu gewinnen. Jetzt sieht das anders aus.“ Der Coach glaubt, dass seine Mannschaft die Fredenbecker Rückraum-Strategen Tluczyncki und Kratzberger sowie Kreisläufer Schulte-Berthold in den Griff bekommen müssen; das würde den VfL treffen.

Der OHC hat zuletzt zweimal in eigener Halle verloren. Die Punkte aus den Partien gegen Altenholz und Hamburg gingen zwar an die Norddeutschen, „aber als richtige Niederlagen sehe ich das gar nicht“. Der 30-Jährige Simon Herold hat nämlich gute Spiele seines Teams gesehen. „Mit etwas mehr Glück und Konsequenz wäre da auch was für uns drin gewesen. Ich denke, wir gehen da gestärkt raus. Wenn wir gegen Fredenbeck - genau genommen gegen alle Teams der Liga - das abrufen, was wir können, hätten wir mehr Punkte auf dem Konto.“ Genau das sieht auch Christian Pahl so. Für ihn ist dieses Spiel eine Charakterfrage. „Wir haben in den letzten Wochen gegen die Favoriten gut gespielt. Das müssen wir jetzt auch aufs Parkett bekommen.“ Die Stabilisierung der Leistung hat für ihn einen Grund: Mit Kapitän Robin Manderscheid und Christoph Genilke kamen zwei Langzeitverletzte zurück. Es wurde am Konterspiel, am Tempo gearbeitet. Das Timing sei verbessert worden.

Und jetzt kommt der VfL Fredenbeck. Apropos: Der niedersächsische Traditionsverein und Simon Herold haben etwas gemeinsam: Beide sind mit eigenem Beitrag auf Wikipedia zu finden. „Simme“, wie er von seinen Teamkollegen genannt wird, weiß gar nicht so recht, wie das zustandekam. „Na ja, ich habe mit 17 meinen ersten Vertrag unterschrieben, spielte in der 1. Bundesliga und hatte auch in der 2. Bundesliga einige gute Jahre“, sagt er und vermutet, dass da vielleicht der DHB seine Finger im Spiel hatte. Auf jeden Fall sind in dem Wikipedia-Eintrag klangvolle Vereinsnamen aufgelistet, bei denen der OHC-Keeper das Tor vernagelt hat. Der ThSV Eisenach zum Beispiel, bei der er mit 17 Jahren im Zweitligateam debütierte. Oder die SG Flensburg-Handewitt, bei der er in der 1. Bundesliga, dem DHB-Pokal und in der Champions-League zum Einsatz kam. Stralsunder HV, MT Melsungen, Empor Rostock und Handballfreunde Springe lauteten seine Station, bevor der Rechtshänder 2012 zum OHC kam.

„Er ist einer der erfahrensten Spieler der Liga. Simon bringt über einen sehr langen Zeitraum sehr stabile Leistungen. Mit Ivan Szabo harmoniert er sehr gut. Simon hat Führungsqualitäten, kann in Krisensituationen mit Ruhe analysieren und hat auch ein Mitspracherecht im Team“, sagt Christian Pahl über den Keeper.

Mit Wehmut blickt Simon Herold nicht zurück, wenn er an die Profijahre zurückdenkt. „Ich hätte sicherlich noch eine Weile auf dem Niveau mitspielen können.“ Aber er dachte schon ein, zwei Schritte weiter. Nach seinem Management-Studium schnürte der Torwart in Oranienburg ein für ihn zukunftsweisendes berufliches Paket: Ausbildung zum Motopädagogen in einer Oranienburger pädagogischen Einrichtung, Studium zum Kindheitspädagogen, bei dem er in den letzten Zügen liegt. Ob er den Master ranhängen wird, steht noch in den Sternen. Zu diesem hohen Zeitaufwand kommt noch das viermalige Training in der Woche und das Spiel am Wochenende. Im vergangenen Jahr wurde Simon Herold Papa, in diesem Jahr wird geheiratet. Die Tage des Simon Herold sehen so aus: 6 Uhr die Wohnung verlassen, 22 Uhr zu Hause. Und dann wird noch gepaukt. Wäre kürzer treten eine Alternative? „Nee, ans Aufhören denke ich noch lange nicht.“

Märkische Allgemeine Zeitung, Stefan Blumberg, 13.04.2018

[top]
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten