09 Apr 2018

Oranienburger HC - HSV Hamburg 27:29 (MAZ)

Mit vollem Einsatz stemmte sich der Oranienburger HC gegen den HSV. Mit vollem Einsatz stemmte sich der Oranienburger HC gegen den HSV. Robert Roeske

Gekämpft, gebissen, geackert - dennoch verloren

Handball-Drittligist Oranienburger HC unterliegt in eigener Hallen nach einem packendem Spiel vor stimmungsvoller Kulisse Spitzenreiter HSV Hamburg knapp.

Angefressen stapfte OHC-Trainer Christian Pahl unmittelbar nach Spielschluss in die Katakomben der MBS-Arena. Einige Minuten des Herunterkommens waren nötig, um die Erlebnisse des Spieles gegen den Tabellenprimus HSV Hamburg zu verarbeiten. „Wir haben verloren, das ist zunächst das Entscheidende. Aber wir haben es über lange Zeit überragend gemacht, das nötige Quäntchen Glück fehlte, um solch einen Gegner dann aber auch zu schlagen. Das ärgert mich, weil einfach mehr möglich war“, bilanzierte ein sichtlich aufgeräumter Christian Pahl nach etwas Erholungsphase in der Kabine. Und recht hatte er. Sein Team zeigte in einem begeisternden Match eine starke Vorstellung und hatte das „Über-Team“ der 3. Liga am Rande einer Niederlage.

Der Rahmen in der ausverkauften MBS-Arena bot schon alles für ein Handball-Spektakel. Knapp 100 Schlachtenbummler aus Hamburg reisten mit zwei Sonderbussen in die Oberhavel-Kreisstadt und sorgten zusammen mit dem OHC-Anhang für eine Gänsehautatmosphäre über die gesamten 60 Spielminuten hinweg. Der Gastgeber zeigte sich auch von Beginn an auf Augenhöhe mit dem Gast aus der Hansestadt. In den ersten zwanzig Minuten konnte sich kein Team wirklich absetzen, die Führung wechselte hin und her. Während beim OHC die gesamte Mannschaft überzeugte und in Defensiv- und Offensivaktionen initiiert war, überzeugte bei den Gästen in der Anfangsphase vor allem Jan Forstbauer (ehemaliger Erstligaspieler der MT Melsungen) mit drei Toren. Als nach knapp zwanzig Minuten der Gast sich plötzlich auf 9:12 davonstahl, schien das Normale einzutreten. Doch anschließend unterliefen dem HSV Hamburg bis dato nicht gesehene leichte Abspielfehler, die der OHC gnadenlos bestrafte. Demnach verdienten sich die Gastgeber auch die 16:15-Halbzeitführung, ein erster Schritt zum Überraschungscoup war getan. „Wir hatten gerade im ersten Abschnitt Probleme in der Defensive, so entstand ein von uns erwartet enges Spiel“, blickte Gästetrainer Torsten Jansen auf eine knappe erste Hälfte zurück.

Doch der Handball-Weltmeister von 2007 schien in der Halbzeitpause die passenden Worte gefunden zu haben, denn die Gäste kamen deutlich kompromissloser und zielstrebiger aus der Halbzeit. Recht schnell gingen die Norddeutschen wieder in Führung (16:17, 34.). Beim Gastgeber ging vor allem offensiv wenig in dieser Phase. Nach knapp sechs Minuten gelang der erste Treffer in der 2. Spielhälfte. Nach 40 Minuten lag der Gast mit 20:17 vorn, doch die Gastgeber hatten sich noch lange nicht aufgegeben. Nun kam auch die Kulisse ins Spiel, gerade Mitte der zweiten Halbzeit hagelte es einige strittige Schiedsrichterentscheidungen gegen den Gastgeber.“ In dieser Phase hatten wir eigentlich keine Situation für uns seitens der Referees, das war ein bisschen unglücklich. Allerdings haben wir auch viele freie Bälle unnötig verworfen“, so Pahl.

Als die Gäste knapp zehn Minuten vor dem Ende sich bis auf sechs Tore absetzten (20:26, 51.), schien die Messe gelesen zu sein. Doch die Gastgeber hatten noch nicht abgeschlossen mit dem Spiel. OHC-Keeper Ivan Szabo brachte mit einigen Paraden sein Team wieder heran, auch vor dem HSV-Tor agierten die Gastgeber nun zielstrebiger und verkürzten den Abstand. Fünf Minuten vor dem Ende war der OHC beim 24:26 bis auf zwei dran, ließ dann aber einige gute Chancen liegen. So brachten die Hanseaten um Ex-Nationalspieler Stefan Schröder die Partie routiniert nach Hause und siegten schlussendlich mit 29:27.

Dennoch durften die Gastgeber sich erhobenen Hauptes vom Parkett bewegen, nach einer Stunde Werbung für den Handballsport. „Komplimente sind schön, aber gerade überwiegt mehr die Enttäuschung, heute war mehr drin“, zeigte sich auch OHC-Keeper Ivan Szabo enttäuscht.

Märkische Allgemeine Zeitung, Knut Hagedorn, 09.04.2018

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