13 Jan 2018

1. VfL Potsdam - Oranienburger HC (MAZ-Vorschau 2)

Dominic Kehl entschied mit späten Toren schon zweimal das Derby. Dominic Kehl entschied mit späten Toren schon zweimal das Derby. Robert Roeske

Dominic Kehl: Der, der weiß, wie man den VfL ärgert

Der Rückraumspieler des Oranienburger HC trifft in der 3. Liga Nord am Sonntag mit seinem Team auf den Landesrivalen Potsdam. Anwurf ist um 16 Uhr in der MBS-Arena Am Luftschiffhafen.

Der 7. November 2015 und der 6. November 2016 sind Daten, die beim Oranienburger Handballclub ein gewisses Wohlgefühl erzeugen. Dominic Kehl trägt daran eine Mitschuld. An beiden Tagen spielte sein OHC gegen den großen Landesrivalen VfL Potsdam in der 3. Liga Nord. Im ersten Spiel war es ein Siebenmeter in der Schlusssekunde, den er zum 27:26-Erfolg verwandelte, im anderen ein Gewaltwurf aus zwölf Metern drei Sekunden vor dem Abpfiff, der zum 23:22-Erfolg einschlug. Am Sonntag stehen sich die beiden Brandenburger Teams wieder einmal gegenüber.

„Ich denke eigentlich gar nicht an diese Tore“, sagt Dominic Kehl vor dem Anpfiff um 16 Uhr in der Potsdamer MBS-Arena (Am Luftschiffhafen 1). „Viel wichtiger ist, dass wir als Mannschaft gewinnen. Die Spiele gegen den VfL Potsdam sind für uns immer ein Highlight, egal, in welcher Halle wir spielen, die Stimmung ist immer geil“, so der halbrechte Rückraumspieler des OHC. Er freut sich auf das Duell und weiß, dass es wieder ein umkämpft sein und die Tagesform entscheiden kann. Dass es erneut ein klarer Erfolg wie im Hinspiel geben wird (32:26) – daran glaubt der 25-Jährige nicht. „Die Potsdamer haben sich im Verlauf der Hinrunde wesentlich gesteigert, sie hatten einen ziemlichen Umbruch im Team zu verkraften. Die Flügelzange mit Dierberg und Gugisch ging weg, neue Torhüter sind im Team, Trainer Daniel konnte als Spieler im Vorjahr auch noch was bewirken und übernahm die Mannschaft“, so Dominic Kehl.

Der Berliner hat schon immer gern gegen Potsdam gespielt, „das ist jetzt mit dem OHC so und war zuvor mit den Füchsen Berlin nicht anders“, sagt der Linkshänder Apropos früherer Verein: „Dom“ begann im Alter von vier Jahren beim TSV Rudow mit dem Handballspielen, genau wie sein größerer Bruder. Als die Familie umzog, machte Dominic ein Jahr Pause und fing in der C-Jugend wieder bei der HSG Charlottenburg an zu spielen ( Landesliga). Er machte auf sich aufmerksam, empfahl sich für die Landesauswahl, sollte deshalb aber auch in der höchsten Berliner Liga spielen. Er wechselte zum BFC Preussen. Landesauswahl Trainer war damals Bob Hanning, heute Manager und Nachwuchstrainer bei den Füchsen Berlin. „Als wir von einem Länderpokalturnier in Süddeutschland kamen und am Flughafen saßen, sagte er mir, ’ich will dich eigentlich nicht für die Füchse haben, aber der A-Jugend Trainer Andreas Westram hätte dich gern in seinem Team. So bin ich bei den Füchsen gelandet. Für mich war das die Chance, auf einmal um die Deutsche Meisterschaft zu spielen.“ Das glückte auch gleich im zweiten Jahr – dann übrigens unter Bob Hanning als Trainer. „Ich habe da zwar wenig gespielt, weil Fabian Wiede (heute Nationalspieler, Anm. d. R.) vor mir war, dennoch lernte ich viel in dieser Zeit.“

Nach seiner Verletzung spielte Dominic Kehl noch ein Jahr bei der zweiten Füchse-Mannschaft, ehe er zum OHC wechselte. Nach einem Jahr Eingewöhnungszeit lieferte Dominic Kehl ein sensationelles zweites Jahr ab. „Woher diese Explosion kam, weiß ich selbst nicht. Ich vermute mal, dass ich in der Zeit wenige Nebenschauplätze hatte und mich voll auf den Handball konzentrieren konnte“, so der seit Jahresbeginn beim Autohändler Koch AG angestellte Buchhalter, der „nebenbei“ seine Bachelorarbeit schreibt. Danach lief es nicht mehr so. „Jetzt ging es noch einmal nach unten. Das nagt natürlich an mir. Eigentlich kann es nur besser werden. „Wenn etwas bei mir konstant ist, dann sind es die schwankenden Leistungen.“

Das entging seinem Trainer Christian Pahl natürlich nicht. Aber er differenziert. „Alle Leute messen ihn an seiner sensationellen zweiten Saison. Das sollte niemand tun auch er selbst nicht. Unbestritten ist ’Dom’ ein charakterlich toller Typ und sehr verlässlich. Deshalb halte ich an ihm fest. Ich erwarte von ihm dass er einen soliden Job macht, Akzente setzt, für seine Nebenspieler da. Er muss nicht in jedem Spiel zehn Tore werfen.

Mit Lasse Scharge holte der OHC zum Jahreswechsel einen Linkshänder aus Grünheide zurück, der sich mit Dominic Kehl die rechte Rückraumposition teilen soll. „Ich freue mich, dass Lasse wieder da ist. Wir verstehen uns gut. Einerseits belebt Konkurrenz das Geschäft, andererseits sind wir zwei verschiedene Spielertypen“, so Dominic Kehl. Das sagt auch Christian Pahl, der mit der Rückkehr von Lasse Scharge neue Möglichkeiten im eigenen Spiel und Training hat.

Am Sonntag stehen beide wieder erstmals gemeinsam im Kader des OHC. Das letzte Mal war das am 7. November 2015 der Fall. An jenem Tag schlug die Oranienburger Mannschaft den VfL Potsdam mit 27:26 durch ein Tor von Dominic Kehl in der Schlusssekunde ...

Märkische Allgemeine Zeitung, Stefan Blumberg, 13.01.2018

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