11 Dez 2017

MTV Braunschweig - Oranienburger HC 25:30 (MAZ)

Euphorisch feierten die Oranienburger Spieler den Auswärtssieg in Braunschweig. Euphorisch feierten die Oranienburger Spieler den Auswärtssieg in Braunschweig. A.M.

„Wir können es noch“

Hinter den Männer des Oranienburger HC liegt eine durchwachsene, nicht zufriedenstellende Hinrunde. Mit dem Sieg beim Verfolger MTV Braunschweig sorgte das Team zumindest für einen versöhnlichen Jahresabschluss.

Die OHC-Spieler setzten nach dem Abpfiff noch einmal ungeahnte Kräfte frei. Sie sprinteten alle aufeinander zu, bildeten in Windeseile einen Kreis und hüpften singend durch die Halle. Mit strahlenden, schweißnassen Gesichtern vollendeten sie so die Mission „Sieg in Braunschweig“. Der zweite Doppelpunktgewinn der Saison in fremder Halle war unter Dach und Fach (nach dem 27:25 beim HSV Hannover). Die mitgereisten Fans hatten ihr Kommen nicht bereut, die mehr als 900 einheimischen Fans hatten sie zu dem Zeitpunkt schon lange ruhig gestellt.

„Es war ein guter Auftritt“, befand Oranienburgs Trainer Christian Pahl nach dem Spiel. So sachlich, wie diese Aussage herüberkommen mag, war sie nicht. In seinem Ton schwang eine große Portion Zufriedenheit, wenn nicht sogar Stolz mit. Seine Mannschaft beherrschte den MTV in dessen Halle. Jenen MTV, der zu Hause eine Macht ist und dort bislang nur gegen die Spitzenteams aus Schwerin und Hamburg Punkte abgegeben hatte. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir uns gegen diese Mannschaft, gegen diese Abwehr, permanent Möglichkeiten erarbeiten können“, so der Coach. Und dazu kam, dass sein Team in der Abwehr (gefühlt) wie eine Wand stand. Der Innenblock mit Janis Bohle und Hüseyin Öksüz leistete Großartiges (“Sie machten einen Riesenjob.“). Die Rückraumspieler Kucharik und Krause hatte der OHC bestens im Griff, auch Czok kam nicht wie sonst zum Zuge.

Ergebnis dieser Qualität: Der OHC lag nicht ein einziges Mal im Rückstand! Der beste Oranienburger Werfer in dem Spiel, Linus Dömeland (acht Tore, davon fünf Siebenmeter), eröffnete mit seinem Treffer den bemerkenswerten Auftritt im fünften Auswärtsspiel seit Ende Oktober. 2:2, 4:4 und 5:5 - das waren aus MTV-Sicht die freundlichsten Zwischenstände. Sonst lag der OHC ständig vorn, beim 8:12 am deutlichsten. „Der einzige Vorwurf, den wir uns machen müssen, ist, dass wir zur Pause nur mit einem Tor vorn lagen“, so der OHC-Coach zum 13:14. Dieser knappe Stand ermöglichte es den Braunschweigern, kurz nach dem Wechsel nach dem 13:16 noch einmal auszugleichen (16:16) - es war das letzte Mal. Von nun an setzte sich der OHC Schritt für Schritt ab (16:17, 17:19, 18:21, 19:23, 24:29 und schließlich 25:30).

Die Mannschaft stellte sich gut auf die Braunschweiger ein, ging auch mal zur 4:2-Abwehr über. Hüseyin Öksüz übernahm komplett den Part im rechten Rückraum, allein aus taktischen Gründen gegen diese unangenehme offensive Abwehr. Keeper Simon Herold war den Braunschweiger Torleuten eine Nasenlänge voraus. Per Kohnagel führte klug Regie. Die beiden Außen Linus Dömeland und Nils Müller lieferten eine sehr gute Leistung ab. David Sauß gefiel im linken Rückraum. Auch „der Kreis“ trug sein Scherflein zum Erfolg bei. „Es war wirklich eine geschlossene Mannschaftsleistung“, so der Coach, der den Sieg genoss, aber auch aufs große Ganze schaute. „Der Sieg in Braunschweig war wichtig, vor allem fürs Selbstvertrauen. Wir haben auch sehr verdient gewonnen. Bei einer Niederlage hätte es noch schlimmer kommen können. Aber so haben wir gesehen, dass es noch geht. Es ist ein versöhnlicher Hinrundenabschluss. Aber insgesamt können wir mit 14:14 Punkten nicht zufrieden sein. Das ist nicht unser Anspruch.“ Der Coach hat einige Spiele im Gedächtnis, in denen Punkte unnötig verloren wurden. Die letzten zwei in diesem Jahr holte sein Team aber. Im neuen Jahr geht es mit zwei Auswärtsspielen weiter für die Kreisstädter (14. Januar in Potsdam, 21. Januar beim TSV Hannover-Burgdorf II).

Märkische Allgemeine Zeitung, Stefan Blumberg, 10.12.2017

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