20 Nov 2017

Oranienburger HC - SG Flensburg-Handewitt II 26:22 (MAZ)

OHC-Torhüter Ivan Szabo hatte großen Anteil am Sieg seiner Mannschaft. OHC-Torhüter Ivan Szabo hatte großen Anteil am Sieg seiner Mannschaft. Robert Roeske

Endlich wieder ein Erfolgserlebnis für den OHC

Torwart Ivan Szabo zeigte sich beim 26:22-Heimsieg des Oranienburger HC gegen die SG Flensburg-Handewitt II in Galaform. Seine Aktie am ersten Doppelpunktgewinn seit Wochen war enorm.

Genau vor acht Wochen sprangen die Oranienburger Handballer das letzte Mal im Kreis und stimmten ihren Jubelgesang an. Acht lange Wochen! Am Sonnabend war es wieder soweit. Nach einer Negativserie von 2:12 Punkten fuhr das Handball-Flaggschiff des Kreises zwei Punkte ein. Gegen die Bundesliga-Reserve der SG Flensburg-Handewitt leuchtete am Ende ein 26:22 auf der Anzeigetafel. Die 856 Fans in der Halle standen nicht nur wegen des Sieges Kopf, sondern weil die Dramaturgie es so wollte, dass der OHC lange hinten lag und die Begegnung noch umbog. Die Flensburger führten 40 Minuten lang, ehe Linus Dömeland mit dem 16:16 das erste Mal der Ausgleich gelang. Ausgerechnet der ehemalige Flensburger Per Kohnagel erzielte den stürmisch gefeierten Führungstreffer zum 18:17 (46.). Wenig später brodelte es in der MBS-Arena. Innerhalb von exakt 120 Sekunden explodierte der OHC viermal. Hüseyin Öksüz, Linus Dömeland, Dennis Schmöker und Nils Müller versenkten vom 19:19 bis zum 23:19 mit Hochgeschwindigkeitshandball vier Bälle im Flensburger Tor (50. bis 52. Minute). Die Entscheidung.

Einer der Garanten des Erfolges war Torwart Ivan Szabo. Der machte zwar wegen des anfänglichen 1:6-Rückstandes nach acht Minuten genau wie alle anderen in der Halle ein langes Gesicht, aber die Mannschaft stabilisierte sich und bekam die Gäste besser in den Griff. „Der Wille war wieder da“, meinte der Keeper unmittelbar nach dem Abpfiff. Trainer Christian Pahl: „In der Phase fehlte die Aggressivität.“ Mühsam arbeitete sich seine Mannschaft an die Flensburger heran, verkürzte auf 3:6 und 5:8, schaffte es aber bis zur Pause (10:12) nicht, komplett aufzuschließen. Christian Pahl sah als Grund dafür die ausgelassenen todsicheren Chancen.

Das änderte sich auch nach dem Wechsel vorerst noch nicht, denn die Gäste waren immer in der Lage, zurückzuschlagen und blieben weiter in Front. Der erste Ausgleich in dem Spiel gelang Linksaußen Linus Dömeland nach einem Tempogegenstoß.

Für Gästetrainer Sascha Zollinger hatte die Szene unmittelbar zuvor (37.) spielentscheidenden Charakter. Sein Mittelmann Danny Nick Baijens beförderte Nils Müller bei einem Tempogegenstoß zu Boden, dafür erhielt er die rote Karte. „Die kann man sicherlich geben, allerdings wären zwei Minuten und ein Siebenmeter auch in Ordnung gewesen“, sagte der Flensburger Coach zu dem Verlust seines starken holländischen Spielmachers. Einen adäquaten Ersatz gab es nicht, womit das Pendel so langsam Richtung OHC ausschlug. „Wir konnten 40 Minuten lang unsere Plan durchziehen und machten bis dahin ein sehr gutes Spiel“, so der Coach, der den OHC-Sieg als verdient einstufte und zugleich die tolle Stimmung in der Arena lobte.

„Für mich waren zwei Dinge entscheidend“, sagte Oranienburgs Spielmacher Per Kohnagel über das Spiel gegen sein Ex-Team. Torwart Ivan Szabo und die Abwehr hätten viel kompakter gestanden als zuletzt. „Wir zwangen die Flensburger, von hinten zu werfen. Das hatten wir auch vor. Außerdem war unsere Chancenverwertung diesmal viel besser als in den letzten Spielen. Wenn wir 22 Tore kassieren und unsere Bälle einigermaßen reinmachen, gewinnen wir auch. Und laut Trainer Christian Pahl machte Per ein super Spiel. Ein Lob erhielt Janis Bohle sowohl vom Coach als auch von Torwart Ivan Szabo: Seine Präsenz habe der Mannschaft enorm geholfen. Außerdem habe der OHC, so Szabo, die zweite Welle zusehends nicht mehr zugelassen.

Zum ersten Mal spielte Per Kohnagel gegen seinen Ex-Team. „Simon Hennig und ich haben die letzten sechs Jahre in der Mannschaft gespielt und kennen uns sehr gut. Ich glaube, für ihn war es in der Abwehr von Vorteil, für mich im Angriff.

Der Flensburger Kreisläufer Normen Louwers bescheinigte seinem Team eine starke Anfangsphase und insgesamt ein gutes Spiel. Allerdings führten einige unglückliche Aktionen zu den Oranienburger Gegenstößen in der Schlussphase. Ärgerlich ist die rote Karte gegen uns. Auf der anderen Seite passiert nix bei einer ähnlichen Aktion. Die Entscheidung war hart für uns. Der OHC nutzt solche Situation dann eiskalt.

Oranienburgs Trainer Christian Pahl bedankte sich in der Pressekonferenz ganz herzlich für die Unterstützung. „Das ist nach so einer Serie von 2:12 Punkten nicht selbstverständlich und deshalb phänomenal. Die Fans standen 60 Minuten hinter uns. Nils Müller hat in der Abwehr auf der Halbposition ein Riesenspiel gemacht, Janis Bohle gab der Deckung richtig Halt. Die Flensburger hatten Mühe, sich Chancen zu erarbeiten. Wir wollen in unserem letzten Spiel in Braunschweig jetzt noch einen versöhnlichen Jahresabschluss hinbekommen.

Märkische Allgemeine Zeitung, Stefan Blumberg, 20.11.2017

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