18 Nov 2017

Oranienburger HC - SG Flensburg-Handewitt II (MAZ)

Per Kohnagel in Diensten des OHC. Per Kohnagel in Diensten des OHC. Robert Roeske

Der Mann für die besonderen Momente

Per Kohnagel trifft am Sonnabend mit dem Oranienburger Handball-Club auf sein Ex-Team, die SG Flensburg-Handewitt II. Es soll der nächste Versuch gestartet werden, um den Negativlauf zu beenden. „Ich bin mir sicher, dass wir gewinnen“, sagt der 23-Jährige.

Ein ganzes Jahrzehnt lang streifte er das Trikot eines der deutschen Handball-Flaggschiffe über: der SG Flensburg-Handewitt. Im Frühjahr zog er es aus und tauschte es gegen die grün-weiße Kluft des Oranienburger HC. Die Erinnerungen an seinen „Hausverein“ sind deshalb noch lange nicht verblasst. Vor einigen Wochen frischte er sie auf. „Ich habe mir das Spiel der Flensburger beim VfL Potsdam angeschaut“, sagt Per Kohnagel. Da sah er einen besseren Auftritt „seiner“ Jungs, sie gewannen 29:26.

Am Sonnabend hat Fernstudent Per Kohnagel sein einstiges Team direkt vor der Nase – die Norddeutschen kommen zum Spiel der 3. Liga nach Oranienburg. In einer Phase, in der der OHC die Sieglos-Serie beenden will. Irgendwie. 2:12 Punkte sprechen eine deutliche Sprache. „Die Gemütslage ist gemischt, weil die Ergebnisse nicht stimmen. Aber vom Gefühl sind wir wieder stabiler geworden“, sagt der Mittelmann. „Na klar ist es einfacher, wenn man fünfmal in Folge gewinnt. Doch ich bin der Meinung, dass die Stimmung im Team immer noch gut ist.“ Und: „Es haben alle begriffen, worum es geht.“

Ausgerechnet gegen sein Ex-Team soll die Wende her. Die Mannschaft, in der immer noch viele Freunde von ihm auf Punktejagd gehen. „Es gibt regelmäßigen Kontakt zu einigen Spielern.“ Aber für 60 Minuten wird die Freundschaft ruhen: „Wenn ich spiele, will ich gewinnen. Ein Sieg wäre vor der zweiwöchigen Pause wichtig.“ Per selbst versucht, nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in der Vorbereitung daran mitzuwirken. „Nach dem Spiel vorige Woche in Fredenbeck habe ich mit unserem Trainer über das Spiel geredet. Ich kenne die Flensburger Spielidee.“ Als einstiger Spielmacher ist ihm das Flensburger System in Fleisch und Blut übergegangen. „Auch wenn es dort jetzt einen anderen Spielmacher gibt – an der Grundidee hat sich nichts geändert. Die ist bei der SG Flensburg vereinheitlicht“, sagt der Mann für die besonderen Momente, da er vor Spielwitz sprüht.

Oranienburgs Trainer Christian Pahl hat in den vergangenen Tagen versucht, nicht soviel Druck aufzubauen. „Das bringt nichts, zumal wir tatsächlich nicht schlecht gespielt haben. Drei der vier letzten Spiele waren wirklich gut, auch wenn nur 1:7 Punkte dabei herausgekommen sind.“ Er meint die Partien in Burgwedel, Altenholz und Fredenbeck. Christian Pahl schätzt den Tabellennachbarn Flensburg als extrem gefährlich ein. Das Team bestehe aus einer guten Mischung von jungen und erfahrenen Spielern. Die Abwehr (unter anderem eine 3:2:1-Formation) sei sehr unangenehm. „Wir müssen über die Emotionalität kommen und hoffen, dass uns die Zuschauer auch gerade in den schwierigen Phasen des Spiels tragen. Wir brauchen sie“, so der Coach. Seinem Spielmacher kommt dabei – wie zuletzt immer – eine besondere Rolle zu, da Kapitän Robin Manderscheid nach wie vor nicht einsatzfähig ist. „Per ist ein ganz anderer Spieltyp. In den vergangenen Wochen ließ er sich mehr auf uns ein, die Mannschaft lässt sich mehr auf ihn ein. Das tut unserem Spiel gut“, sagt Christian Pahl, der den 23-Jährigen als hervorragenden Mittelmann einschätzt und der noch ein Stückchen mehr Anführermentalität entwickeln dürfe. „Er ist ein absoluter Leistungsträger. Wir sind total zufrieden mit ihm.“

Beim TSV Munkbrarup, einem kleinen Dorfverein in der Nähe von Flensburg, lernte Per Kohnagel das Handball-Einmaleins. Bis zur C-Jugend spielte er dort in einer recht erfolgreichen Mannschaft. Ein Teil von ihr wechselte dann zur großen SG Flensburg-Handewitt. Dort lernte Per, der die Qualitäten des einstigen Weltklassespielers Olafur Stefansson schätzte, die professionellen Strukturen kennen. „Sicher ist es mal ein Traum gewesen, in der ersten Mannschaft zu spielen, aber das relativierte sich dann irgendwann“, sagt der Rechtshänder. Die SG sei schließlich nicht irgendein Bundesligaverein, sondern gehöre zu den besten Klubs in Deutschland. Da würden selbst Nationalspieler auf der Bank sitzen.

Per Kohnagel ist von einem Platz auf der Bank weit entfernt. Am Sonnabend, 18.30 Uhr, wird er im OHC-Spiel wieder die Strippen ziehen. Er möchte mit dazu beitragen, dass es der erste Doppelpunktgewinn seit acht Wochen wird. „Ich bin mir sicher, dass wir gewinnen. Alle sind gut drauf, alle werden sich reinhängen.“

Märkische Allgemeine Zeitung, Stefan Blumberg und Knut Hagedorn, 17.11.2017

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