02 Okt 2017

Oranienburger HC - Mecklenburger Stiere 20:20 (MAZ)

Robert Herz (Nummer 5) warf in der Endphase wichtige Tore für den Oranienburger HC. Robert Herz (Nummer 5) warf in der Endphase wichtige Tore für den Oranienburger HC. A.M.

OHC holt Remis nach Aufholjagd

Der Oranienburger HC hadert mit der Chancenverwertung, bietet den Zuschauern in der heimischen MBS-Arena gegen die Mecklenburger Stiere aus Schwerin aber eine spannende Aufholjagd und holt einen Punkt. Den Sprung an die Tabellenspitze hat der OHC aber verpasst.

So richtig wussten die Gefühle gar nicht wohin. Euphorie? Stimmungskiller? Punktgewinn? Punktverlust? Und für wen eigentlich? Für Oranienburg? Für Schwerin? Das Ergebnis von 20:20 wurde unterschiedlich interpretiert. Der Mecklenburger Torwart Jan Kominek zeigte in den 60 Minuten 20-mal die Faust. So viele Bälle parierte er. Und er hatte allen Grund zum Lächeln.

Aber nach dem Abpfiff war dieses Lächeln verschwunden. „Wir haben gut gespielt, 50 Minuten lang gut gekämpft. Wir wissen, dass es in Oranienburg schwer ist, zu bestehen. Ich bin glücklich und traurig zugleich“, gestand er. Und sein Gegenüber, der OHC-Keeper Simon Herold, der seinen Kasten in der zweiten Halbzeit – insbesondere in der Schlussphase – schier zugenagelt hatte, sagte: „Wir haben als Team Unglaubliches geleistet. Ein schöner Abend! Ich bin stolz auf die Mannschaft.“

Nach der 3:1-Führung der Gastgeber führten die Schweriner fast die ganze Zeit. 4:3, 8:5 und 11:10 zur Pause. Nur beim 4:4, 5:5 und 10:10 schloss der OHC auf. „Wir haben das ja in der ersten Hälfte sehr ordentlich gemacht, übten Druck auf die Abwehr aus und spielten die Außen frei. Aber wir ließen leider viele Chancen liegen“, bedauerte Simon Herold.

Das ist insbesondere Jan Kominek zu verdanken, der überall seine Hände oder Beine im Spiel hatte. Diese mangelnde Chancenverwertung monierte Oranienburgs Christian Pahl. „Klar wussten wir, dass es eine Abwehrschlacht wird. Aber wir haben uns die Chancen herausgespielt, nur die Bälle nicht verwandelt. Dazu machten wir viele Fehler. Schwerin erzielte von den elf Toren in der ersten Halbzeit allein sechs Kontertore.“ Schwerin ließ sich auch von der frühen roten Karte gegen Marco Curcic (21.) – er foulte Nils Müller bei einem Tempogegenstoß – nicht beeindrucken. Nach der Pause nahm das Geschehen einen deutlicheren Verlauf. Während Kominek im Verbund mit seiner Abwehr weiter beste Gelegenheiten vereitelte und seine Vorderleute recht einfach einnetzten, schraubten die Stiere das Ergebnis in die Höhe (16:12, 18:14,19:15/48. Minute).

Robert Stelzig, Dennis Schmöker oder Janis Bohle scheiterten in aussichtsreichen Positionen. Aber da die Defensive des OHC ihrem guten Namen alle Ehre machte, blieb das Team auf Tuchfühlung. Obendrein: Simon Herold, der von „einem herausragenden Schweriner Angriff“ spricht. Aber die Scharfschützen bissen sich an ihm die Zähne aus. In den letzten zwölf Minuten traf Schwerin nur noch einmal. „Simme“ erreichte Hochform und riss die Zuschauer mit. „Wir werfen ihn leider berühmt“, ärgerte sich Stephan Riediger, der davon sprach, dass bei diesem Spiel nicht nur zwei der besten Abwehrreihen der Liga aufeinandertrafen, sondern auch die beiden besten Keeper der Nordstaffel im Tor standen. Trotz dieser Einschätzung überwand der willensstarke Gastgeber die Stiere-Deckung nach dem 15:19-Rückstand in den letzten Minuten noch fünfmal. Den Ausgleich erzielte Linus Dömeland wenige Sekunden vorm Abpfiff. „Als ich den Ball bekam, hatte ich kein Muffensausen. Wenn man es hat, sollte man nicht werfen. Sicherlich ein glücklicher Punkt, den wir ohne Simon nicht geholt hätte. Er rührte Beton an!“

Christian Pahl schaute nach dem Spielende bedient drein. „Ich weiß nicht, wie viele Bälle wir verworfen haben – ich denke mindestens zwölf. Dann ärgert mich der Endstand. Machen wir nur die Hälfte rein, dann gewinnen wir gegen diese Mannschaft klar. Schwerin gehört für mich zu den Top 3 oder 4 der Liga. Das Team war zu schlagen, aber uns unterliefen zu viele Fehler. Es gab unglückliche Situationen, vielleicht hätte ich da auch schon mal eher wechseln sollen. Ich fühle mich nach dem späten Tor nicht wie der Gewinner. Das sollten wir alle nicht tun.“

Märkische Allgemeine Zeitung, Stefan Blumberg, 01.10.2017

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