17 Apr 2017

OHC mB I Saisonfazit

OHC mB I Saisonfazit Privat

Am Ziel der Träume

B1 erkämpft Brandenburgliga-Meisterschaft 2017

Die B-Jugend des OHC hat sich am letzten Spieltag der Saison 2016/17 mit einem souveränen Auswärtssieg in Angermünde die Meisterschaft der Brandenburgliga 2017 gesichert.

Nach einem ausgeglichenen Beginn gegen den Tabellenletzten waren Abwehrumstellung, Spielwitz, Nervenstärke und Treffsicherheit ausschlaggebend dafür, dass man sich bereits zu Beginn der zweiten Halbzeit des verdienten Lohns einer Spielzeit erfreuen konnte, die im Verlauf der Rückrunde immer stärker an Psyche und Physis gezerrt hatte. Das letzte Spiel einer legendären Saison war bildhaft für den unantastbaren Zusammenhalt von Spielern, Trainern und Eltern. Alle Akteure durften sich zum Abschluss noch einmal in die Torschützenliste eintragen.

Zeichnen wir im Folgenden die letzten Schritte des Weges nach, indem wir einen chronologischen Blick auf die entscheidenden Spiele der Rückrunde werfen.

HSG RSV Teltow Ruhlsdorf - OHC 19:20 (9:9)

Der einzige Gegner, der uns in der Hinrunde die erste Halbzeit hindurch wirklich dominiert hatte, sollte auch im Rückspiel ein schwerer Brocken werden. Dass Falkensee kurz vor unserer Partie gegen Teltow über ein Unentschieden nicht hinausgekommen war, sollte eine zusätzliche Warnung sein. Und schließlich entpuppte sich dieses Spiel als das vermutlich vorentscheidende der Meisterschaft.

Obwohl wir im ersten Durchgang spielerisch deutlich überlegen waren, machten unsere Jungs den zunächst nicht zuversichtlich wirkenden Teltowern Mut, indem Pfosten und Latte einem 25minütigen Test unterzogen wurden. Nach zähem Spiel stand es kurz vor der Halbzeit zwar 6:9 für uns, doch die offensichtliche Einschätzung, man habe damit bereits einen großen Schritt gemacht, war ein Irrglaube. Teltow spielte 3:0, feuerte sich kraftvoll an und gewann den Mut zurück, der ihnen gefehlt hatte: Unentschieden zur Pause.

Die zweite Halbzeit war aus OHC-Sicht noch schlechter als die erste - bis zur 42. Minute. Die aufgedrehten Hausherren lagen verdient mit 18:14 in Front, die erste Saison-Niederlage schien unabwendbar. Es war der Moment, in dem Tom Lüben das Ruder übernahm, vor allem psychologisch, aber auch taktisch. Sein Kumpel Niels Sander war der zweite Spieler, der an diesem Tag zwei Punkte erzwang, denn der unterschätzte Rückraumspieler brachte seine ganze Ruhe und Überzeugung in die Offensive ein. Die Abwehr drückte unablässig auf die zunehmend müde wirkende Heimmannschaft, Jonas Lehmann verriegelte das Tor, Timo Schirmeyer war im Mittelblock unüberwindbar, vorne wurde jeder Angriff geduldig und sicher durchgespielt.
Ein fast mit operativer Präzision durchgeführter 6:1-Lauf bedingte den Sieg, der zwar glücklich, aber gerade auf Grund der ersten Halbzeit verdient war. Von allen knappen Spielen der Saison war dieser Auswärtstriumph wohl der klarste Beweis dafür, dass unsere Truppe über widerstandsfähiges Selbstbewusstsein verfügte und zusammenhielt wie Pech und Schwefel. Derart gewappnet und im Freudentaumel vereint, sahen wir dem Spiel gegen Falkensee optimistisch entgegen.

OHC - SSV Falkensee 22:22 (15:12)

Wir könnten es uns ja einmal leicht machen. Wer wissen will, wie dieses Match atmosphärisch und sportlich einzuordnen ist, kann sich den objektiven, gelungenen und fairen Spielbericht der Gäste durchlesen. Da wir aber die Mühsal bevorzugen, nun unsere Sichtweise.

Im Gegensatz zum Hinspiel, das wir in letzter Sekunde hatten gewinnen können, waren wir im Rückspiel eine Halbzeit lang die klar bessere Mannschaft. Die Führung von 15:12 gab nur unzureichend unsere Überlegenheit wieder, und vielleicht hätten wir in der Pause wirklich alles im Griff gehabt, hätte nicht ein ärgerliches Missverständnis zwischen Bank und Zeitnehmertisch für eine folgenschwere Zeitstrafe gesorgt.

Die unglückliche Kabineneinteilung sorgte dann auch noch dafür, dass wir in der Pause nicht frei sprechen konnten - zudem ließ ich die Jungs in ihrem Glauben, sie hätten das Spiel unter Kontrolle. Doch das, was noch in Teltow funktioniert hatte, die Übertragung wichtiger Entscheidungen auf die Mannschaft, war hier ein Fehler.

Und so kosteten uns die ersten Minuten der Halbzeit 2 den ersten Punkt. Die Gäste zeigten eine aus dem Hinspiel bekannte und für sie offenbar signifikante Qualität: Bei Unaufmerksamkeiten unserer Abwehr schlugen sie sofort zu und trafen innerhalb kurzer Zeit mehrfach. Allerdings konnten wir nach einem 0:4 von 16:13 auf 16:17 wieder stabil gegenhalten, konterten zwei Rückstände gegen Spielende (20:21,21:22) und hatten im letzten Angriff die Chance auf den Sieg. Der Ball landete eine Sekunde zu spät im Gästetor, so dass die Punkte verdient geteilt wurden.

Der überbordende Jubel der Gäste über das Resultat war neben den Psycho-Spielchen, Gesprächsverboten sowie der Fairness-Verweigerung Falkensees in Teltow, wo man uns um ein Tor gebracht und einen Einblick in die Videoaufzeichnung verweigert hatte, ein weiterer Beleg dafür, dass wir uns großen Respekt erarbeitet hatten.

OHC - HSC 2000 Frankfurt (Oder) 28:24 (18:8)

Unser letztes Heimspiel vor den drei abschließenden Auswärtspartien sollte in der MBS-Arena stattfinden, wieder waren wir Favorit, erneut konnte man nur warnen. Denn bereits das letztlich sicher gewonnene Hinspiel hatte eine völlig ausgeglichene erste Halbzeit gezeigt. Doch offenbar hatte sich unser Team eher auf einen gemütlichen Spaziergang eingerichtet, anstatt sich für die Bergwanderung zu rüsten.

Das Spiel bestand aus vier Phasen. Der Beginn war schlecht, Rückstand mit zwei Toren (3:5, 4:6). Dann folgte eine rauschhafte Periode, das Match wurde gedreht und entschieden - 8:0 zum 12:6, 5:0 zum 17:7. In Halbzeit 2 wechselten wir komplett, doch nach anfänglichem Halten des Abstands (21:11) wurde so anfängerhaft agiert, dass die Gäste auf 23:19 herankamen. Spielabschnitt 4 sicherte dann mit dem 28:24 zwei Punkte. Es war offensichtlich, dass sich auch dieser Gegner weiterentwickelt hatte und man konnte bereits da hoffen, dass auch die Konkurrenz gegen diese Mannschaft Schwierigkeiten bekommen würde.

Ludwigsfelder HC - OHC 25:20 (11:9)

1. Die erste und einzige Saison-Niederlage war verdient, das Resultat entsprach an diesem Tag der Spielstärke.

2. Es hätte der Leistungsdichte und -verteilung der Liga nicht entsprochen, wären wir ohne Niederlage zum Saisonabschluss gekommen. Der positive Effekt dieses Tages war und ist, dass Realismus und Bescheidenheit dadurch leichter fallen.

3. In nicht voller Besetzung und mit mehreren "Totalausfällen" war das Spiel an dem Tag nicht zu gewinnen. In gewisser Weise kann man darin eine ausgleichende Gerechtigkeit sehen, war Ludwigsfelde doch im Hinspiel auch deutlich von 100% entfernt gewesen.

4. Spielbeobachtungen sind gut und schön, führen aber, wenn der Gegner an einem solchen Tag keine Normalform hat und nicht gefordert wird, leicht zu Fehlurteilen (Ludwigsfelde - Cottbus III).

5. Einem Ordner, der Kaffeegenuss auf der Tribüne kritisiert, steht es während eines Jugendspiels schlecht zu Gesicht, nach Alkohol zu riechen. Das Gleiche gilt für schauspielernde B-Jugendliche und Eltern, die (zum wiederholten Mal) außer Rand und Band geraten sind.

LHC Cottbus II - OHC  30:30 (18:14)

Sonntag, 26.3., 12.40 Uhr, Einfahrt in Cottbus, die letzten Kilometer zur Arena, im Bus erklingen die Glocken, ACDC, Hells Bells - Nomen est Omen. Man fährt nicht zum Sechsten oder Siebten der Tabelle, sondern zur Sportschule, die nach dem Hinspiel angekündigt hatte, in der Rückrunde "laufe das anders". Die ersten Cottbusser Spieler kommen aus der Kabine, ein Blick reicht, um zu erkennen, was gespielt wird. Nachdem der LHC in Ludwigsfelde mit einer schmaleren und schwächeren Besetzung angetreten war als beim Auswärtsspiel in Oranienburg, unserem Meisterschaftskonkurrenten die Punkte also quasi geschenkt hatte, fährt man hier alles auf, was die Lausitzer B2 zu bieten hat.

Dementsprechend verläuft auch die erste Halbzeit. Unumwunden gestehe ich: Beim Stand von 12:7 habe ich die Meisterschaft abgehakt. Bis zum Pausenpfiff konnten wir allerdings mit vier Toren Rückstand in Reichweite bleiben.

Die Halbzeit war nicht dazu angetan, den Jungs Vorwürfe zu machen, trotz der vielen Gegentore war die Abwehr nicht schlecht, und gegen eine gerade zu Beginn kräftig zupackende, jedoch nicht unfaire Defensive der Heimmannschaft gelangen ja 14 Tore. Psychologisches Plus war zudem das Resultat aus Frankfurt, hatte unser direkter Konkurrent Falkensee doch tatsächlich beide Punkte und seine Federn gelassen.

Was die B1 dann im zweiten Abschnitt leistete, ließ mich zum Teil staunend den Coaching-Bereich abarbeiten. Läuferisch und im Umschaltspiel mindestens ebenbürtig, war auch ein besserer Positionsangriff dafür verantwortlich, dass aus einem 19:14 ein 21:21 wurde. Das Unentschieden wurde lange, bis zum 28:28, gehalten, am Ende führten wir gar 30:28. Leider brachten wir diesen Vorsprung nicht über die Zeit und verspielten in den letzten Minuten vorn unsere Möglichkeit, beide Punkte mitzunehmen. Das Remis war schließlich eine leistungsgerechte Punkteteilung, und allen war klar, dass also wir selbst am letzten Spieltag über den Titel entscheiden würden.

Dementsprechend groß war der Jubel. Die insgesamt zweifellos auch glückliche Meisterschaft hatten sich unsere Jungs spätestens hier vollauf verdient, denn die Demonstration verdiente schlichtweg das Prädikat "meisterlich".

Jannis Hupfer machte auch aus schwierigsten Situationen Tore, Tore, die man in der Kategorie nicht jede Woche betrachten darf. Hervorzuheben ist darüber hinaus Kieron Kisch, der an diesem grundlegenden Tag das Heft in die Hand nahm und mit neun Toren seinen Saisonbestwert erreichte, indem er seine physischen Alpha-Qualitäten demonstrierte - genau dann, als es darauf ankam. Oder, wie wir nach der Niederlage in Ludwigsfelde ausgerufen hatten: Jetzt erst recht! Gleiches gilt für den zurückgekehrten Theo Junge, der defensiv unverzichtbar war und einen Lukas Gorecki, der sich auf hohem Niveau zusehends stabilisierte.

HC 52 Angermünde - OHC  21:34 (12:19)

Wenn der einzige Wochentag, an dem Du Dich mit der gesamten B1 auf das Finale vorbereiten kannst, ein Donnerstag ist, dann ist naturgemäß, also nach den Murphyschen Gesetzen, genau dann die Halle gesperrt; unangekündigt, versteht sich, das heißt: Trainingsausfall. Kein Problem, denkt sich Mister Oberschlau, denn beim Tabellenletzten, der circa 100 Tore mehr kassiert und ungefähr 100 Tore weniger geworfen hat als Du, fallen Dir die Punkte ja in den Schoß. Es kommt, was kommen muss: Es steht nach zehn Minuten 4:4.

Die Nervosität der Eltern und die des Trainers ergaben eine explosive Mischung, doch die Lunte entzünden wollten die Jungs nicht. Sie löschten die Nervenglut, indem sie bis zur Halbzeit einen 7-Tore-Vorsprung erspielten, 12:19. Hauptsächlicher Beitrag aus dem Coaching-Bereich waren die Umstellung der Abwehr auf eine offensive 3:3-Variante und die Aufbietung letzter stimmlicher Kräfte.
Im Verlauf des zweiten Durchgangs, der schnell entschieden wurde, konnten nicht nur alle Spieler eingesetzt werden, jeder der Mannschaft traf auch mindestens einmal. Lukas Gorecki, dem Zweitjüngsten der gesamten B1, gelang souverän und in der Art ligaweit einmalig das Durchbrechen der 100-Tore-Marke. Das Tor des Tages war das letzte der Saison, Theo Junge in letzter Sekunde, im Gegenstoß, aus 18 Metern. Rufus Bräsicke erzielte sechs Tore und machte noch einmal einen Entwicklungsschritt.

Ein stilvoller und liebevoller Gartenempfang bei und mit den Eltern war nach der Rückkehr ein mehr als würdiger Rahmen für eine unglaublich coole Mannschaft.

Hinzuweisen ist auch noch darauf, dass die Saison alles andere als problemlos verlaufen ist. Langzeitverletzungen (Theo Junge, Johannes Ruchatz), weite Wege zum Training (Jonas Lehmann, Kieron Kisch), der frühzeitige Übergang des wurfgewaltigsten Ligaspielers in die A-Jugend (Lucas Schwanke), Zeitnot und Belastung durch Ausbildung (Tom Lüben) sind über die gewöhnlichen Hindernisse jeder Spielzeit hinaus Probleme gewesen, die diese Mannschaft mit Bravour gelöst hat. Einem hervorragenden Co-Trainer (Gunnar Tredup) und phantastischen Eltern gebührt ebenfalls das größtmögliche Lob. Letztlich ist auch dem OHC dafür zu danken, dass er uns in Form zweier Mannschaften, organisatorisch erstklassig, ermöglicht, nun oben anzugreifen.

Landesmeister 2017: Jonas Lehmann - Jannis Hupfer - Niels Sander - Kieron Kisch - Theo Junge - Rufus Bräsicke - Leon Jost - Timo Schirmeyer - Lukas Gorecki - Bennet Simon - Binh Nguyen - Tom Lüben - Johannes Ruchatz

Martin Richter

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