07 Dez 2016

OHC mB I - LHC Cottbus II 29:23 (15:8)

Erster Sieg gegen Cottbus macht OHC zum Anwärter auf Landesmeisterschaft

Cottbus ist geschlagen. Nach über 3 1/2 Jahren mit fünf zum Teil sehr schmerzhaften Niederlagen gegen den LHC gewann die B-Jugend des Oranienburger HC deutlich und souverän ihr vorletztes Spiel 2017. Der Tabellenführer konnte dabei auf eindrucksvolle Weise zeigen, warum er die Liga anführt - und was ihn von den B-Jugenden der Vorjahre unterscheidet.

Relativieren kann man natürlich immer, und wir sollten das zunächst auch, allein der Bescheidenheit wegen: Cottbus II kam nach fünf Spielen mit bereits fünf Minuspunkten nach Oranienburg (zum Vergleich: 2015/2016 war Cottbus II Meister der Brandenburgliga mit makelloser Bilanz von 32:0 Punkten).

Andererseits hatten sie Meisterschafts-Kandidat Ludwigsfelde einen Punkt abgetrotzt. Und niemand wird nach Betrachten der Partie bestreiten können, dass auch diese junge Cottbusser Mannschaft 50 Minuten schnell und gefährlich Handball spielen kann.

Tatsache ist allerdings auch, dass wir eine alles andere als optimale Vorbereitungswoche hatten, zwei Spieler der Ersten 6 waren krank und das Abschlusstraining am Donnerstag dank "Jugend trainiert für Olympia", daraus resultierender Erschöpfung und mangelhafter Konzentration eine Farce. Wir spielten zudem mit bloß einem Torwart, da Johannes Ruchatz fehlte.

Wie man das Blatt auch dreht und wendet: Der OHC ließ nach kurzer Nervositätsphase keinen Zweifel daran, wer Herr der MBS-Arena ist - und führte mit 4:0. Cottbus nahm früh eine Auszeit, wechselte den Torhüter und konnte beim 7:4 und 8:5 dranbleiben, bevor über das 13:6 und 15:8 ein klarer 7-Tore-Vorsprung mit in die Halbzeit genommen wurde.

Das Spiel war im Grunde entschieden, wir aber natürlich ob des starken Gegners gewarnt und auf weitere Gegenwehr vorbereitet. Das Klingeln des Weckers - beim Stand von 20:16 hatte der LHC den Halbzeitvorsprung auf vier Tore verkürzt - wurde sofort und mit interessanter

Selbstverständlichkeit beantwortet. Nie hatte man den Eindruck, unsere Truppe sei unkontrolliert oder übermäßig aufgeregt, sie schien sich insgesamt sehr sicher, ohne arrogant zu wirken, setzte Zeichen, sobald sie erforderlich waren. Wir erzielten in beiden Halbzeiten gleich viele Tore und spielten im Angriff zwischen Minute 26 und 50 kreativer als in Hälfte 1, waren aber in der Defensive nicht in der Lage, das hohe Niveau des ersten Abschnitts zu halten. Das hatte seinen Grund auch in einer erzwungenen Umstellung der Abwehr. Es zeigte sich außerdem einmal mehr, dass in dieser Saison ein Medaillenrang nur dann erreichbar ist, wenn man Ausdauer für 50 schnelle Minuten hat.

Die junge Achse Hupfer-Gorecki-Schirmeyer ist sehr stabil, bringt offensiv wie defensiv ihre Leistung und ist offenbar bereits jetzt in der Lage, auch unter Druck auf mittlerem Niveau zu dominieren. Die extreme Motivation, die sie gegen die Sportschüler zeigten, war ein Lehrstück. Simon Bennet wirkte sichtlich selbstbewusster und konnte auch in kurzer Einsatzzeit klare, in dieser Art neue Akzente setzen. So gilt auch für dieses Spiel, dass unserer jüngerer Jahrgang mit den Besten der Brandenburgliga mithalten kann, ablesbar ebenfalls daran, dass die Jüngeren mehr als 50 % aller Tore der Hinrunde erzielen.

Noch sind wir aber natürlich auf ein starkes Gerüst aus 2000ern angewiesen. Tom Lüben war in der Abwehr deutlich verbessert. Nicht zuletzt er ist für die Tabellenführung mitverantwortlich, hat er doch knappe Spiele aus dem Feuer gerissen und stellt sich nun gänzlich in den Dienst der Mannschaft. Kieron Kisch konnte sein natürliches Spielverständnis ebenso wie seine enorme Physis ausleben und zeigte wieder, wie unglaublich wichtig er ist - immer motiviert, kontrolliert, torgefährlich und eine Macht in der Defensive. Jonas Lehmann strahlte einmal mehr große Ruhe aus, obwohl (oder vielleicht weil?) er wusste, dass er durchspielen musste. Seine Leistung gerade in Halbzeit 1 war einmal mehr sehr stark, seine Konstanz über die Hinserie ist beeindruckend. Es ging mit Lehmann/Ruchatz bisher nicht ein Torhüter-Duell verloren. Lucas Schwanke konnte, nüchtern betrachtet zum ersten Mal in dieser Saison, sein unglaubliches Wurfpotential ausgiebig demonstrieren. Mit zehn Treffern, in ihrer Art einmalig in dieser Liga, schritt er voran und traf gerade dann, wenn es nötig war.

Der Zusammenhalt zwischen B1 und B2 ist erstklassig, der Einsatz sowohl der Spieler als auch der Eltern für Team und Club vorbildlich.

Der unerwartet positive Saisonverlauf hat einen Nachteil. Der Druck ist groß, nun die Meisterschaft zu gewinnen, die Gegner kündigen für die Rückrunde Großes an. Begreifen wir das als Chance. Wer unter seinen Möglichkeiten geblieben ist und damit 14:0 Punkte geholt hat, der bestimmt selbst, ob er verliert. Es wird unsere vornehmste Aufgabe sein, neben der handballerischen Ausbildung weiter an Spielercharakteren zu feilen. Und am eigenen.

Martin Richter

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