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Post Schwerin II – OHC I 35:28 (13:15)

Schwerin fährt mit dem OHC Schlitten
Oranienburger HC unterliegt am Sonntag in Schwerin

 Das befürchtete ist eingetreten: Der OHC, der seit Wochen Punkt und Punkt holt, kassierte seit Ende Oktober die erste Niederlage – und das beim Abstiegskandidaten Post Schwerin II.

 „Das wird doch heute wieder nichts“, brubbelte ein allein sitzender Schweriner Fan vorm Anpfiff gestern Nachmittag. Der Mann, der offenbar die 2:18 Punkte seines Teams aus den letzten zehn Spielen im Hinterkopf hatte, sollte sich gewaltig irren. Seine Mannschaft steigerte sich in der Begegnung zusehends und fuhr mit den Oranienburgern (13:3 Punkte in Folge) regelrecht Schlitten. Warum es dazu kam? Weitgehend Achselzucken bei den Oranienburgern, die zur Pause noch geführt hatten.

Es sah zunächst nicht so schlecht aus für den OHC. Die Mannschaft stellte sich nach einigen Minuten auf das Spiel des Aufsteigers ein und machte aus dem 3:5-Rückstand einen Ausgleich (5:5, 7:7). Stephan Fuchs erzielte beim 9:7 erstmals eine Zwei-Tore-Führung für die ambitionierten Gäste. Überhaupt war es der Rückraumspieler, der den Schwerinern Kopfzerbrechen bereitete. Immer wieder traf er beliebig aus dem Rückraum, insgesamt sechsmal allein in den ersten 30 Minuten. Zwischendurch erhöhte der OHC den Vorsprung auf 12:9 und 13:10. Mit Müh und Not rettete der Gast aber einen nicht unverdienten 15:13-Vorsprung in die Halbzeitpause. „Wir haben die Schweriner im Griff gehabt“, befand OHC-Trainer Riccardo Tourmo im Nachhinein. Bis dahin.

Aber auch sein Schweriner Gegenüber, Holger Antemann, hatte seine Meinung: „Wir hatten unsere Chancen. Ich habe an das Team appelliert, dass es diese Gelegenheiten besser nutzen muss.“ Dass es mit dem Aufsteiger aufwärts gehen würde – danach sah es anfangs aber nicht aus. Denn Robert Stelzig und Heiner Throl sorgten mit ihren Treffern sogar für Vier-Tore-Führungen (17:13, 18:14) der Gäste. Und wie aus heiterem Himmel fiel das Oranienburger Spiel quasi in sich zusammen. Binnen drei Minuten (34. bis 37.) gelang den Hausherren der Ausgleich (18:18). Noch hielten sich die Tourmo-Schützlinge über Wasser (20:18, 21:20, 22:22). Das letzte Mal Tuchfühlung zu den Schwerinern hatten sie beim 23:24-Rückstand. In der letzten Viertelstunde spielten sich die Hausherren in einen wahren Rausch. Dem waren die Oranienburger überhaupt nicht gewachsen. Tempogegenstöße, Gewaltwürfe aus dem Rückraum, Siebenmeter, Eins-zu-eins-Situationen – der Variantenreichtum im Schweriner Spiel kannte keine Grenzen. Zum Verhängnis wurde den Oranienburgern gestern jedoch Torwart Peter Niephagen. Der 21-Jährige Keeper, sonst die Nummer 2 des Bundesligateams aus Schwerin, wurde zur Verstärkung ins zweite Team zitiert. Und er erwies sich als tatsächlich als echte Verstärkung. „Ich glaube, er hielt gefühlte 20 Bälle“, zollte ihm Riccardo Tourmo Respekt. Dabei waren echte „Riesen“ von Christian Riedel, Sascha Klimczak, Benjamin Hinz oder Stephan Fuchs.

Apropos Stephan Fuchs. Der Hüne kam in der zweiten Hälfte kaum noch zum Einsatz. „Ich habe fünf Wochen nicht trainiert und habe gepumpt wie ein Maikäfer.“

O HC: Tredup, Büchner; Harnge, Fuchs (6), Stelzig (4), Throl (2), Hinz (2/1), Siegler, Pommerening, Fröhlich (3), Riedel (4), Klimczak (6/1), Starke (1)

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 19.01.2010, Stefan Blumberg

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Die Crux mit den Profis
Wer gegen Reserveteams von Bundesligavereinen spielt, muss mit dem Schlimmsten rechnen

Im Hinspiel mit nur sieben Spielern angetreten, im Rückspiel eine volle Bank und dazu Ausnahmekönner im Kader. So, wie sich die Reservemannschaft vom SV Post Schwerin im September in Oranienburg auf die Schlachtebank gelegt hatte und 28:37 verlor, drehte sie am Sonntag im Rückspiel den Spieß um. 35:28 lautete der Sieg in eigener Halle im Regionalligaspiel der Männer gegen den Oranienburger HC (MAZ berichtete).

Sahnehäubchen im Spiel des Aufsteigers und des Abstiegskandidaten: Torwart Peter Niephagen und Christian Zufelde. „Das sind die beiden einzigen Spieler von der Ersten“, sagte Trainer Holger Antemann nach dem Spiel. Niephagen konnte es selbst kaum fassen, welche Bälle er den Oranienburgern da wegschnappte – der Torwart des Zweitbundesligisten Post Schwerin bewahrte sein Team vor einer weiteren Niederlage. Weil er immer eine Hand, ein Bein oder sonst ein Körperteil am Ball hatte, waren die OHCer bald ratlos und ergaben sich mit fliegenden Fahnen ihrem Schicksal.

Der zweite Profi im Schweriner Kader, Christian Zufelde, wirbelte vor allem auf der Spielmacherposition. Den 21-Jährigen, der in der nächsten Saison in der 1. Bundesliga beim MT Melsungen spielen wird, hatten die Oranienburger aber weitgehend im Griff.

Was bleibt, ist eine logische Folge: Zwei solche Spieler können ein gesamtes Team mitreißen, es zu schier unmöglichen Leistungen animieren. „Wir werfen sonst nie so viele Tore“, gibt Schwerins Trainer Antemann zu. Pech für die Oranienburger, die ausgerechnet in der spielfreien Pause in der Bundesliga auf Schwerin II treffen müssen. OHC-Trainer Riccardo Tourmo sucht aber die Schuld für die Niederlage nicht beim Gegner. „Es lag nicht am Schweriner Torwart oder sonst wem. Wir haben genügend Chancen gehabt, um die Tore zu machen, aber die Bälle nicht verwandelt.“

Opfer der Bundesliga-Spielpause (wegen der Europameisterschaft) wurden auch die Berliner Preussen – bislang Tabellendritter – in der selben Liga. Sie mussten die Punkte beim THW Kiel II abgeben (23:27). Aber auch die Berliner sind ebenfalls Manns genug, die Schuld nicht bei den Kielern zu suchen. „Unser Shooter Max Bachmann stand an diesem Tage völlig neben seinen Schuhen und konnte das Kieler Tor im Schneegestöber nicht orten. Er warf nur ein Tor. Wann hat es so etwas schon einmal gegeben? Ferner profitierte das Junior-Team des THW davon, dass die 1. Bundesliga wegen der Europameisterschaft pausierte und so die eine oder andere Verstärkung eingebaut werden konnte.“ Jene zweite Kieler Mannschaft, die am kommenden Sonnabend in Oranienburg gastiert – und die EM-Pause ist dann immer noch ...

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 16.12.2009, Stefan Blumberg