HSV Insel Usedom –
OHC I 24:25 (12:12)
OHC jagt Usedomer aus der Pommernhölle
Oranienburger HC schlägt den
Favoriten sensationell und spielt im DHB-Pokal
Sie haben das Unmögliche möglich gemacht: Der OHC
entzauberte die heimstarken Insulaner – und das mit einer ,,Rumpftruppe“ und
einer großen Portion Kampfgeist. Jetzt stehen die Kreisstädter im DHB-Pokal.
„Hier geht noch was“, sagte OHC-Rechtsaußen
Christian Riedel beim Stand von 12:12 nach 30 Minuten auf dem Weg in die
Kabine. Er sollte Recht behalten. Die Oranienburger machten so weiter, wie
sie in den ersten 30 Minuten aufgetreten waren. Trotz des Fehlens der
Torjäger Sascha Starke, Sascha Klimczak und Stephan Fuchs (alle Urlaub)
sowie Denny Groth (Lungenentzündung) schwangen sich die verbliebenen
Aufrechten zu einer taktischen und willensstarken Meisterleistung auf.
Benjamin Hinz nahm den Usedomer Spielmacher und Torjäger Christoph Dübener
„aus dem Spiel“. Dieses Mittel erwies sich als wirkungsvoll, denn der
Gastgeber wusste darauf keine Antwort und präsentierte sich seinem Publikum
ideenlos. Die konzentrierte und robuste OHC -Abwehr kaufte den Usedomern
immer wieder den Schneid ab. Zudem reagierte Torwart Gunnar Tredup immer
wieder glänzend. So parierte er unter anderem drei Siebenmeter! Der OHC
führte 3:1 (8. Minute), 8:5 (13.), 9:7 (22.). Die Mannschaft ließ sich von
den 800 Fans in der ,,Pommernhölle“ nicht beeindrucken, auch nicht von der
erstmaligen Führung (11:10) der Gastgeber kurz vorm Wechsel.
In der
Pause hatten die Oranienburger neue Kräfte getankt. Sie setzten sich schnell
auf 16:13 und 17:14 ab. Einer, der auch in dieser Phase traf, war Niko
Harnge. Er warf am Sonnabend sechs Tore. ,,Er hat den Fuchs sehr gut
vertreten und traf für mich gefühlte achtmal“, lobte Christoph Dübener. Dann
aber spielten den Oranienburgern die Schiedsrichter übel mit. Sie stellten
OHCer reihenweise vom Feld, sodass sie eine knappe Viertelstunde in
Unterzahl spielten, einige Male sogar in doppelter Unterzahl. In der Phase
warfen die Usedomer fünf Tore in Folge zur eigenen 19:17-Führung. ,,Ich
dachte, jetzt könnte das Spiel kippen, aber die Jungs haben grandios
gekämpft und kamen wieder zurück“, sagte OHC-Trainer Riccardo Tourmo
freudig. Nach drei Toren in Folge – die Oranienburger Aktionen wurden
mittlerweile mit Pfiffen begleitet – schaukelte sich das Ergebnis wie beim
Punktspiel vor zehn Wochen an gleicher Stelle (33:33) Stück für Stück hoch:
Führung OHC, Ausgleich Usedom, Führung OHC, Ausgleich Usedom ... In der
Endphase ging es weiter heiß her, beide Teams vergaben hochkarätige Chancen.
Die Torhüter Enrico Büchner (OHC) und Maik Hintze (Usedom) hielten Bälle auf
spektakuläre Art. Da die Usedomer ihre letzte Ausgleichchance versiebten,
feierte der Oranienburger HC beim in dieser Saison in eigener Halle noch
ungeschlagenen Regionalligazweiten einen überwältigenden Triumph.
Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 04.01.2010,
Stefan Blumberg
Stimmen zum Spiel
Riccardo Tourmo, Trainer Oranienburger HC: „Jetzt haben
wir dem neuen Trainer eine schöne Sache vorbereitet, den Start im DHB-Pokal.
Es war eine starke Leistung von der Mannschaft, wenn auch unspektakulär. Mit
Teamgeist haben wir hier gewonnen. Wir ließen uns auch von den
Schiedsrichterentscheidungen gegen uns nicht beeindrucken. Mit etwas mehr
Fingerspitzengefühl von den Unparteiischen hätte es einige Zeitstrafen gegen
uns nicht gegeben. Es ist natürlich ein schönes Gefühl, mit einer
Rumpftruppe gegen ein voll besetztes Usedomer Team in dieser Halle zu
gewinnen. Aber ich bewerte den Sieg nicht über, das war nicht die Usedomer
Mannschaft, wie sie sonst spielt. Ich habe mich bei der Mannschaft bedankt,
dass die Serie ohne Niederlage gehalten hat.“
Jens-Peter Teetzen,
Trainer Usedom: „Die 100-prozentige Einstellung bei meinem Team hat gefehlt.
Mit der offensiven Deckung der Oranienburger sind wir nicht klargekommen.
Obwohl unser Torwart Maik Hintze besonders in der zweiten Halbzeit eine
tadelsfreie Leistung geboten hat, reichte es diesmal nicht. Vielleicht war
es mit Blick auf die Meisterschaft zum richtigen Zeitpunkt ein Schuss vor
den Bug.“
Usedomer Zuschauer zu den OHC-Spielern: „Das war heute ein
Sieg von euch ’für’ den Usedomer Trainer. Er hält sich schon seit einem Jahr
am Trainerstuhl fest.“
Benjamin Hinz, OHC-Linksaußen (spielte mit
Kiefernnebenhöhlenentzündung): „Da ich nicht trainiert hatte und über
Weihnachten zu Hause war, wusste ich gar nicht, wer von uns überhaupt
spielen würde. Als klar war, wer fehlt, dachte ich: ’Das kann ja was
werden.’ Aber gewinnen will ich immer, auch gegen die Usedomer, bei denen ja
Profis mitspielen. Als das Spiel zu kippen drohte, haben wir beim Timeout
gesagt, dass wir bislang gut gespielt haben und gucken wollen, was noch
geht.“
Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 04.01.2010,
Stefan Blumberg
IN
USEDOM GESEHEN UND MITGESCHRIEBEN
Zitat vom HSV Insel Usedom: „Der OHC gewinnt
verdientermaßen, vor allem wegen eines schwachen Angriffsspiels des HSV, dem
selbst die Schiedsrichter und Maik Hintze nicht helfen konnten.“
Erste fragwürdige Entscheidung: Dem OHC wurde ein Angriff zurückgepfiffen.
Christian Riedel wagte es, einen Schritt zu laufen und ließ den Ball am
Tatort fallen: Zwei-Minuten-Strafe.
Unverständliche Entscheidung: Bei
einem OHC-Tempogegenstoß rammte der herausstürmende Usedomer Torwart Maik
Hintze OHC-Rechtsaußen Erik Pommerening um, obwohl „Pomme“ eher am Ball war.
Das Spiel lief weiter. Für solche Fälle gibt es nur eine Rote Karte gegen
den Torwart. Im Anschluss warf Usedom ein Tor.
Zweite fragwürdige
Entscheidung: Dem OHC wurde ein Angriff zurückgepfiffen. Niko Harnge ließ
den Ball fallen und erhielt eine Zeitstrafe (später nach der dritten
Zeitstrafe Rot).
Interessant: zehn Zeitstrafen gegen OHC, drei gegen
Usedom.
Unstrittig: 25:24-OHC-Sieg.
Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 04.01.2010,
Stefan Blumberg
„Vielleicht sollten wir gar nicht mehr trainieren“
Gunnar Tredup zum Pokalsieg des OHC bei Insel Usedom
Der Oranienburger HC hat ein Husarenstück geschafft. Die Männer schlugen die
Heim- macht Insel Usedom in der eigenen Halle im NOHV-Pokalspiel mit 25:24.
Mit Torwart Gunnar Tredup sprach nach dem Spiel Stefan Blumberg.
MAZ: Jetzt mal ehrlich: Wie sehr haben Sie an den Pokalsieg in Usedom
geglaubt?
Gunnar Tredup: Ich bin ziemlich locker an die Sache
rangegangen. Ich dachte, dass ich erst einmal gar nicht spielen würde, weil
ich drei Wochen nicht trainiert hatte.
Dann standen Sie aber doch von
Beginn an im Tor. Warum?
Tredup: Es stellte sich heraus, dass Enrico
Büchner genau so lange nicht beim Training war. So hat unser Trainer
Riccardo Tourmo entschieden, dass ich anfange. Zum Spiel selber muss ich
schon sagen, dass es mir schwer fiel, an einen Sieg in dieser Halle zu
glauben, weil wir ja einige Stammkräfte nicht im Kader hatten. Aber unser
Trainer hat uns ganz gut eingestellt. Dass es am Ende geklappt hat, ist vor
so einem großen Publikum um so geiler. Wir haben unter uns Torhütern schon
geflunkert, dass wir vielleicht gar nicht mehr trainieren sollten ...
Die schätzungsweise 800 Zuschauer haben auch gesehen, dass Sie drei
Siebenmeter gehalten haben, zwei weitere Siebenmeter der Usedomer gingen an
die Querlatte. Dabei waren in der kompletten Hinrunde fast alle Strafwürfe
der OHC-Gegner reingegangen. Wie kommt es, dass mit einem Mal klappt?
Tredup: Es ist wirklich so, wir hatten in dieser Saison noch kein
richtiges Glück mit den Strafwürfen. In der Mannschaft haben sie uns schon
Siebenmeterkiller genannt. Dann hält man mal einen so wie am Sonnabend und
bekommt Selbstvertrauen. Ich habe dann mal ein wenig rumprobiert, bin auf
der Linie stehengeblieben. Oder man kommt mal schnell raus. Und so lief es
in Usedom mal ganz gut.
Die Schiedsrichter standen nicht unbedingt
auf der Seite des OHC. Sehen Sie das auch so?
Tredup: Ich möchte
eigentlich generell nicht so viel zu den Schiedsrichtern sagen. Klar ist,
dass so ein Spiel natürlich kippen kann, wenn es einseitig gegen ein Team
geht. Das Gute an den Unparteiischen war, dass man mit ihnen reden konnte.
Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 05.01.2010,
Stefan Blumberg