OHC I – Bad Doberaner SV 28:32 (17:15)
Blankes Entsetzen
Blamabler OHC-Auftritt: Nach 26:21-Führung
noch klar verloren
31.10.2009
40 Minuten lang bewegten sich die Männer des
Oranienburger HC auf der Siegerstraße. Dann bogen sie auf die Verliererstraße
ein – und keiner weiß, warum sie das taten.
„Auswärtssieg, Auswärtssieg!“ An diesen Freudengesang des Gegners gewöhnen sich
die Spieler und Zuschauer des Oranienburger HC so langsam, wenn sie zu Hause
spielen. Zum zweiten Mal in Folge nahm der OHC-Gast die Punkte aus Oranienburg
mit. Nach dem 24:32 gegen die Füchse Berlin II vor einer Woche erlitt der OHC am
Sonnabend gegen den Bad Doberaner SV ein Debakel. Nach einer 24:18- und
26:21-Führung ging das Oberhavelteam sang- und klanglos 28:32 unter. „Wir haben
uns blamiert“, sagt OHC-Rückraumspieler Heiner Throl, der neun Minuten vorm Ende
der Partie sein Saisondebüt gab - nach seiner auskurierten Muskelverletzung.
Die Oranienburger fingen dynamisch an. Stephan Fuchs und Sascha Starke machten
das, was sie in den vergangenen Wochen (fast immer) besonders gut praktizerten:
Tore werfen. 4:1 und 6:3 lag der OHC vorn, fing aber immer leichte Gegentore.
Die Bad Doberaner blieben dran (6:6, 10:10, 13:13), vor allem wegen der Fehler
des OHC im Spielaufbau. Hier ein Fehlpass, da ein Fehlwurf, die Mannen von der
Ostsee wurden geradezu eingeladen zu Gegenstößen. Die nutzten sie. Der
Gäste-Torjäger Nummer 1, der bundesligaerfahrene Karsten Ganschow, blieb mit
zunächst einem Tor fast wirkungslos. Die 17:15-Führung der Oranienburger zur
Pause stimmte optimistisch.
Es ging flott weiter. Innerhalb von zwölf Minuten schraubte die Mannschaft von
Trainer Holger Winselmann den Vorsprung auf 24:18 und schließlich 26:21 (42.
Minute) hoch. Die Vorfreude auf den zweiten Heimsieg stieg. „Die hatten sich da
eigentlich schon aufgegeben“, sagt Heiner Throl über die Gäste. Doch die
Ernüchterung setzte schneller ein, als den Einheimischen lieb war. In den
verbleibenden 18 Minuten trafen die OHCer nur noch zweimal (die Doberaner
elfmal). Sie stellten das bis dato durchaus gefährliche Angriffsspiel total ein.
In dieser Phase wurde Stephan Fuchs nach seiner dritten Zeitstrafe vom Platz
gestellt. Bis dahin hatte er sechs Treffer erzielt und wäre für das eine oder
andere Tor immer gut gewesen. Ohne ihn nahm das Unheil seinen Lauf. Der Bad
Doberaner SV machte aus dem 21:26-Rückstand mit sieben Toren in Folge eine
eigene 29:26-Führung (jetzt traf auch Ganschow). Die Nerven der OHC-Spieler
flatterten schon längst. Vor allem die misslungenen eigenen Aktionen waren
tödlich: Zum einen gingen die Bälle nicht ins gegnerische Tor, zum anderen
nutzten die jetzt abgeklärt spielenden Gäste fast jeden Fehler zu Toren aus.
„Diese Fehler im Angriff sind für mich unverzeihlich“, konstatierte ein nach der
Pleite enttäuschter Trainer Holger Winselmann.
OHC: Büchner, Tredup – Fuchs (6), Throl (1), Siegler,
Kleiner, Schröder (2), Groth, Fröhlich (4), Riedel (1), Klimczak (3), Starke
(9/6), Stelzig (2), Pommerening.
Trainerstimmen
Holger Winselmann (Oranienburg): Mit ist es
einfach unbegreiflich, dass einige Spieler ihr Ego über die Mannschaft stellen.
Bis zum 26:21 setzte die Mannschaft alles das um, was wir besprochen hatten:
klare Aktionen spielen, keine Einzelaktionen fabrizieren. Für mich ist es eine
Charakterfrage, bis zum Ende so weiter zu spielen. Da zeigte sich dann aber der
Charakter von einigen. Sicher, ich hätte tauschen können, wollte aber die
Verantwortung dann auch nicht einem Martin Siegler oder Niko Harnge allein
aufbürden. Je enger es dann wurde, umso mehr flatterten die Nerven. Die rote
Karte gegen Stephan Fuchs tat dann ihr Übriges.
Lothar Goldschmidt (Bad Doberan): Entscheidend für die Wende
war aus meiner Sicht unsere Umstellung auf die 6:0-Abwehr und die Steigerung von
Torwart Robert French, der einige Bälle ‚abgebissen’ hat. Ich hatte das Gefühl,
dass bei Oranienburg plötzlich die Kraft weg war. Sicherlich traf den OHC auch
die Runterstellung von Fuchs. Wir haben uns von unseren vielen technischen
Fehlern nicht entmutigen lassen. In der entscheidenden Phase spielten wir
ruhiger.“
Interview Heiner Throl
„Für mich ist der Zeitpunkt gekommen, eine Serie zu starten“
Einige Fans sangen am Sonnabend: „Wir wolln den Heiner sehn,
wir wolln den Heiner sehn…“ In der 51. Minute wurde er eingewechselt. Mit dem
31-jährigen Rückraumspieler, der fast acht Wochen wegen einer Muskelverletzung
pausieren musste, sprach Stefan Blumberg.
Wie ist es, nach so langer Wartezeit wieder auf der Platte zu stehen?
Throl: Natürlich sehr schön. Aber es braucht noch Zeit, ehe ich wieder in Tritt
komme. Das hat man auch gesehen. Es fehlt zum Beispiel am Timing. Ich hatte
vorher erst zweimal mit der Mannschaft trainiert.
Konnten Sie nach der Niederlage gut schlafen?
Throl: Wie man eben so schlafen kann, wenn man ein Baby zu Hause hat. Aber die
Frage dreht sich wohl ums Spiel: Es war sehr schwer, das Spiel zu verlieren. Uns
ist das gelungen.
Können Sie sich das erklären?
Throl: Ich glaube, da kommen ganz viele Kleinigkeiten zusammen. Das sind
individuelle Fehler, das sind taktische Fehler, da spukt eine Sechs-Tore-Führung
in den Köpfen herum. Vor einem Jahr hätten wir uns so ein Spiel nicht mehr
nehmen lassen.
Was hätte anders laufen müssen?
Throl: Ich hatte das Gefühl, dass – als es eng wurde – jeder mit seinen
Einzelaktionen das Spiel retten wollte. So geht das nicht. In solchen
Situationen braucht man eine mannschaftliche Geschlossenheit. Die fehlte. Mir
kann auch keiner erzählen, dass es an der Fitness, Kraft oder Dynamik lag, dass
wir verloren haben.
Das Spiel gegen Bad Doberan war eines der Schlüsselspiele, die die Wende zum
Besseren herbeiführen sollten. Was stimmt Sie denn jetzt noch zuversichtlich?
Throl: Wir werden uns in dieser Woche mit der Mannschaft zusammensetzen und die
Lage besprechen. Ich war zwar in den vergangenen Wochen wenig beim Team, hoffe
aber, dass ich in der Situation helfen kann. Nicht, dass ich dem Team einen
großen Schub geben kann. Es geht aus meiner Sicht darum, wieder eine Struktur in
die Mannschaft zu bekommen. Die fehlte mir zuletzt. Wir müssen wieder ein Team
werden, die Aufgaben müssen klar verteilt werden. Momentan sind wir sechs
Handballer auf dem Feld, aber keine Mannschaft.
Vor genau einem Jahr hatten Sie Prognosen für die nächsten Spiele des OHC
gewagt und immer richtig gelegen. Werfen Sie jetzt bitte mal einen Blick nach
vorn.
Throl: Wir haben eine hohe handballerische Klasse im Team. Die müssen wir
abrufen. Wir sind jetzt quasi am Boden. Schlechter kann es nicht werden. Für
mich ist der Zeitpunkt gekommen, eine Serie zu starten. Sicherlich gehörte das
Doberan-Spiel schon mit dazu. Ich hoffe, dass wir zum Ende der Hinrunde ein
einigermaßen ausgeglichenes Punktekonto haben.
Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 01.11.2009,
Stefan Blumberg
OHC verliert
Der Oranienburger HC taumelt in der Handball-Regionalliga
am Abgrund. Am Sonnabend gab es eine 28:32 (17:15)-Heimschlappe gegen den
Bad Doberaner SV.
Es war das siebte sieglose Spiel in Folge. Dabei sah es noch bis zur 40.
Minute danach aus, als sollte den Gastgebern im dritten Spiel in der neuen
MBS-Arena der erste Sieg gelingen. Denn da führte der OHC noch mit 26:21.
Was folgte war eine Demontage, die Torhüter Gunnar Tredup mit diesen Worten
kommentierte: "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich so etwas schon einmal
erlebt habe." Dabei boten die Oranienburger doch Anschauungsunterricht für
ein Handball-Lehrbuch. Allerdings nur für das Kapitel "Fehler, die man
vermeiden muss". Denn sinnlose Würfe, Fehlabspiele, Schritt- und Fangfehler
bauten den Gegner von Minute zu Minute mehr auf. Und der spielte sein
Konzept mit Disziplin und kühlem Kopf herunter. "Auch beim
Fünf-Tore-Rückstand habe ich immer noch daran geglaubt, dass wir das Ding
noch drehen könnten", sagte Bad Doberans Routinier Karsten Ganschow nach dem
Spiel.
Er hatte Recht damit. Denn in den letzten 20 Minuten trafen die Gäste noch
elfmal, der OHC kam zu mickrigen zwei Toren. "So kannst du solch ein Spiel
nicht gewinnen", meinte OHC-Trainer Holger Winselmann. Und die Lage ist bei
4:12 Punkten und Rang zwölf nun so ernst, dass sich der Vorstand ernsthaft
Gedanken machen muss.
Oranienburger Generalanzeiger, 01.10.2009
OHC verliert
Mit acht Toren am Stück zum Auswärtssieg
Die Handballmänner des Bad Doberaner SV können auch auswärts siegreich
sein. Nach guten Leistungen in vorangegangenen Partien auf fremdem Parkett,
klappte es am Sonnabend auch mit den Auswärtspunkten. Das DSV-Team gewann in
Oranienburg hochverdient mit 32:28 und setzte sich so erst einmal mit 8:6
Zählern im Mittelfeld der Regionalliga Nordost fest. Zunächst verpassten die
Münsterstädter aber den Start ins Spiel und lagen schnell mit 1:4 hinten.
Als sich die Abwehr der Gäste dann gefunden hatte und sich so auch die
Angriffsleistung verbesserte, war mit dem 7:7 erstmals der Ausgleich
hergestellt. Es blieb bis zum Halbzeitpfiff sehr eng. Keine Mannschaft
konnte sich groß absetzen. Die Oranienburger Führung zum 17:15 kam erst mit
der letzten Aktion vor der Pause zustande.
Der Doberaner SV erzielte nach dem Wiederanpfiff zwar das 16:17 zum
Anschluss, kam dann allerdings mächtig ins Schleudern. Alle Felle schienen
den Gästen in der Folgezeit davonzuschwimmen. Als der OHC auf 24:18 (46.)
wegzog, kam unter den Zuschauern in der nagelneuen Sporthalle schon
Feierstimmung auf. Die OHC-Fans hatten die Rechnung aber ohne die Gäste aus
Mecklenburg gemacht. Die Doberaner warfen in der Schlussviertelstunde die
deutlich größeren Kraftreserven in die Waagschale. Nach dem 21:26 machten
die Münsterstädter acht Tore in Folge und entschieden mit dem 29:26 (56.)
das Match für sich. In diesen zehn Minuten konnten sich die Oranienburger
noch für das Auslassen weiterer guter Tormöglichkeiten bei den Gästen
bedanken. Sonst wäre die Heimniederlage sogar noch deutlicher ausgefallen.
Der Bad Doberaner SV war gegen den Oranienburger HC zwar spielerisch nicht
durchgängig über 60 Minuten gut, dafür aber im kämpferischen Bereich diesmal
einfach nicht zu schlagen. Mit einer geschlossen agierenden Mannschaft wurde
das Ziel „Auswärtssieg“ konsequent bis zur letzten Minute verfolgt und auch
realisiert. Einige Wermutstropfen gab es in Oranienburg durch die
Verletzungen vom stark spielenden Thomas Sanftleben (Oberschenkel) und von
Kay Landswehrs (Auge), der in dieser Saison erstmals für den DSV im Einsatz
war, dann doch noch. Bleibt zu hoffen, dass beide im nächsten Landesderby am
kommenden Sonntag bei Post Schwerin II wieder fit sind.
Bad Doberaner SV: Robert French, Sebastian Prothmann – Hein Wiebe 1, Stephan
Reinhardt 2, Karsten Ganschow 7, Stefan Strack 2, Falk Heinrich 9/6,
Christian Gerber, Uwe Kalski 3, Felix Handschke, Steffen Wiegratz 2, Kay
Landwehrs 1, Thomas Sanftleben 5 und Matthias Jahn.
Kurzer Spielfilm: 1:0, 2:1, 4:1, 6:4, 7:7, 10:10, 12:12, 15:14, 17:15,
19:16, 24:18, 26:21, 26:29, 27:30, 28:32.
Siebenmeter: Oranienburg 5/5 / Bad Doberan 6/6
Zeitstrafen: Oranienburg 14 Minuten / Bad Doberan 8 Minuten
Schiedsrichter: Tolga Karamuk / Nikos Seliger (beide Berlin)
Zuschauer: 250 in der Sporthalle Erlebniscity in Oranienburg
Homepage Bad Doberaner SV Generalanzeiger, 01.10.2009