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OHC I  Bad Doberaner SV 31:26 (15:14)

14.02.2009

Harte Nuss geknackt

OHC investiert weniger als sonst, punktet aber gegen Bad Doberan

Es holperte in der Abwehr, es holperte im Angriff. Der OHC tat sich gegen die Männer von der Ostsee sehr schwer und kam zu einem am Ende klaren Sieg, der den Spielverlauf in der Deutlichkeit nicht widerspiegelte.

Es war alles ein bisschen anders als sonst. Die Oranienburger machten den „gefühlten Eindruck“, dass sie den Gästen überlegen sind. Sie spielten mit einer Lockerheit, die sie sonst nicht an den Tag legen. Das führte zweifellos zu Toren, die von einer gewissen Portion Selbstbewusstsein zeugten, allerdings auch zu Gegentoren, zu ziemlich einfachen Gegentoren, recht oft über den Kreis. „Ich muss unserem Gegner ein Kompliment machen, er hat klug unsere Schwachstellen in der Abwehr aufgezeigt“, sagte OHC-Trainer Holger Winselmann in seiner Einschätzung.

Bis kurz vor der Pause lief alles in geordneten Bahnen – aus Sicht der Oranienburger und ihrer gut 500 Fans. Nach der Abtastphase (4:4) schienen die Hausherren die Bad Doberaner in den Griff zu kriegen. Der „halblinke“ Martin Siegler und Rechtsaußen Christian Riedel trafen in dieser Phase, auch Kapitän Riccardo Tourmo und Heiner Throl. Nach einer Viertelstunde war ein 9:5-Vorsprung herausgeworfen. Diesen Abstand hielt das Team, weil die Angriffsmaschinerie lief. In der Abwehr zeichnete sich ab, dass die Gäste auf Tuchfühlung bleiben würden. Zu leicht machte es ihnen die komplette Oranienburger Defensivabteilung. Ruck, zuck schloss der Gast auf (15:14 zur Pause), nach dem Wechsel glich das Team aus (15:15).

Der OHC fing sich wieder und legte vor (17:15, 20:17/40.). Aber wieder kassierte das Team simple Gegentore, zwei sogar in Zwei-Mann-Überzahl (zum 21:20). „Es fehlte der Biss. Ein Schrittchen nach links oder rechts reicht eben nicht“, bemängelte Holger Winselmann die Einstellung. Da in der Zwischenzeit auch die Durchschlagskraft im Angriff fehlte und DSV-Keeper Robert French fast jeden Ball hielt, glichen die Gäste aus (24:24/ 50.). Doch der Gastgeber ruckte noch einmal an, die Zeitstrafen und beiden roten Karten gegen die Bad Doberaner Strack und Strauch halfen dabei, auch die Explosivität von Sascha Klimczak, der zwei Siebenmeter herausholte, die Sascha Starke nervenstark verwandelte. Am Ende wurde es noch ein klarer Sieg. „Hier war mehr drin. Wir waren beim 24:24 dran, aber haben uns durch unsere Undiszipliniertheiten selbst geschlagen“, befand Gäste-Torwart French.

OHC I: Büchner, Tredup – Fuchs, Stelzig (1), Throl (4), Lehmann, Siegler (3), Tourmo (4), Groth, Fröhlich (4), Riedel (6), Starke (4/4), Pommerening, Klimczak (5/1)

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 16.02.2009, Stefan Blumberg


„Wir waren nicht zu locker“
Interview mit Christian Riedel

Christian Riedel war auf der Rechtsaußenposition eine Bank beim OHC. Mit dem 25-Jährigen sprach MAZ-Redakteur Stefan Blumberg.

MAZ: Warum wurde es „nur“ ein Arbeitssieg?

Christian Riedel: Wir sind schwer ins Spiel gekommen. Ich weiß nicht, ob es an der einwöchigen Pause lag oder etwas an dem Potsdam-Spiel, aus dem wir etwas enttäuscht gegangen sind. Aber Bad Doberan war ein guter Gegner.

Man hatte den Eindruck, dass Ihre Mannschaft die Aufgabe zu locker angegangen ist.

Riedel: Auch wenn es so ausgesehen haben sollte – das kann ich nicht bestätigen, keiner hat den Gegner zu leicht genommen.
Der Bad Doberaner Torwart suchte die Schuld bei den eigenen Undiszipliniertheiten. Haben diese Herunterstellungen Ihrem Team geholfen?

Riedel: Sicherlich. Wir kannten die Schiedsrichter aus dem Bramstedt-Spiel. Daher wussten wir, wie sie in bestimmten Situationen reagieren. Das war von Vorteil.
Nächste Woche steht das Spiel in Cottbus an. Kennen Sie das Umfeld dort?

Riedel: In der Lausitzarena habe ich noch nie gespielt, war aber als Nachwuchstrainer schon da.

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 16.02.2009, Stefan Blumberg


Mit Ruhe und Dusel


Langsam wird es unheimlich. Seit nunmehr neun Spielen haben die Fans des Oranienburger HC in der Louise-Henriette-Halle nur Siege ihrer Mannschaft erlebt. Am vergangenen Sonnabend kam beim 31:26 (15:14) gegen den Bad Doberaner SV ein weiterer dazu.

Allerdings fiel das Ergebnis um einige Treffer zu hoch aus. Denn bis neun Minuten vor Schluss war der Spielausgang völlig offen (24:24). Die Gäste von der Ostseeküste waren sogar drauf und dran, etwas Zählbares aus Oranienburg mitzunehmen. Dem OHC war zu diesem Zeitpunkt nämlich ein eigentlich souverän geführtes Spiel aus den Händen geglitten. In den Schlussminuten bewahrten die Hausherren dann aber im Stile (und mit dem Dusel) einer Spitzenmannschaft die Ruhe und profitierten gleichzeitig von der Aufgeregtheit der Gäste. Denn diese raubten sich mit fünf Zeitstrafen in den letzten zehn Minuten selbst die Chance, wenigstens einen Punkt aus der Kreisstadt zu entführen.

Unverdient war der Sieg der Gastgeber aber sicher nicht. Gerade in der ersten Halbzeit boten die Winselmann-Schützlinge eine ansprechende Leistung. Die Oranienburger Abwehr wirkte zwar in vielen Szenen etwas unausgeschlafen. Das aber machten die Gastgeber durch schöne Aktionen im Angriff wieder wett. Über Konter, aus dem Rückraum und vor allem auch über den Kreis erspielte sich der OHC zwischenzeitlich einen 9:5-Vorsprung. Diesen verteidigte das Team über das 12:8 bis zum 15:11 (26.). In der Folge schien sich der Tabellenvierte dann seiner Sache bereits zu sicher zu sein. Der sprichwörtliche Schlendrian schlich sich ein und Bad Doberan verkürzte bis zur Pause auf 15:14.

Die Qualität des Spiels nahm dann in den zweiten 30 Minuten rapide ab. Gut zehn Minuten lang hielt Oranienburg den Gegner mit zwei bis drei Toren auf Distanz. Als Bad Doberan beim Stand von 21:19 nach zwei Zeitstrafen zwei Minuten lang nur zu viert spielte, verpasste der OHC die Gelegenheit, eine Vorentscheidung herbeizuführen. Nach Absitzen der Strafen stand es 22:21 (44.), die Gäste witterten Morgenluft. Dass daraus nichts mehr wurde, lag neben den vielen Undiszipliniertheiten der Bad Doberaner (insgesamt neun Zwei-Minuten-Strafen und zwei Rote Karten) auch an der Nervenstärke von Sascha Starke. Vom Siebenmeterpunkt bewahrte der 20-Jährige in der 55. und 56. Minute die Ruhe und erhöhte für die Kreisstädter von 25:24 auf 27:24. Damit war das Spiel entschieden.

Glücklich mit der Leistung seiner Mannen war OHC-Coach Holger Winselmann trotz des am Ende deutlichen Sieges nicht. "Kompliment an die Gäste. Sie haben klug und überlegt unsere Schwächen aufgezeigt", zollte er stattdessen dem Gegner Respekt. Und erklärte anschließend auch warum: " 60 Minuten lang waren wir in der Abwehr einfach zu labil, zu anfällig. Eine Reihe meiner Spieler war einfach nicht auf der Höhe der Aufgaben."

Oranienburger HC: Tredup, Büchner - Fuchs, Stelzig, Throl (4), Lehmann, Siegler (3), Pommerening, Tourmo (4), Schröder, Groth, Fröhlich (4), Riedel (6), Klimczak (5), Starke (4)

Presseartikel, Oranienburger Generalanzeiger, 16.02.2009, Thomas Gutke/und Jürgen Zinke