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 OHC I – BFC Preußen 28:26 (11:12)

24.01.2009

Den Adler gerupft
OHC gewinnt Berlin-Brandenburg-Derby gegen BFC Preussen

Der Adler aus Berlin musste sich im Kampf gegen den Puma aus Oranienburg geschlagen geben. Der OHC revanchierte sich für die deutliche Hinspielniederlage (20:32). Und im Duell der beiden Vereinsmaskottchen erwies sich der Puma als stärker.

Auch die „Kriegsbemalung“ – offensichtlich eine auf die Wange gestrichene Feder – half dem BFC Preussen nicht. Die Berliner untermauerten am Sonnabend zwar ihre Stärke, aber sie trafen auf ein Oranienburger Team, das seine Krallen ausgefahren hatte. „Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Sie hat enorm gefightet. Ich freue mich über diesen Auftritt und den Sieg sowieso“, sagte ein gut gelaunter OHC-Trainer Holger Winselmann nach den 60 Minuten.

Die Einheimischen legten in der nicht ganz ausverkauften Halle (das Länderspiel Deutschland gegen Serbien lief zeitgleich) furios los. Nach dem 1:2-Rückstand führten sie bald 6:2 (15.) und 8:4 (18.). Im Angriff klappte nahezu alles, Sascha Klimczak tarf zum Beispiel in Unterzahl mit links. Im Tor lief Enrico Büchner wieder einmal zur Hochform auf, parierte spektakuläre Bälle, darunter einen Siebenmeter. „So ganz schlecht ist der nicht“, sagte Hallensprecher Ralf Meider süffisant. Aber dieser Lauf hielt nicht an. Die Preussen schlugen zurück, auch dank der abgewehrten Bälle ihres Klassetorwartes Maurice Castillo. „Da haben wir zu viele Chancen vergeben“, bemängelte Winselmann. Die etwa 500 Zuschauer wurden ruhig, als der BFC die 9:6-Führung des OHC in ein 9:10 umwandelte und es zur Pause 11:12 stand. Lag es am Fehlen von Kapitän Riccardo Tourmo (verletzt), Rechtsaußen Christian Riedel (krank) und Heiner Throl, der wegen seiner zweiten Zeitstrafe seit der 15. Minute nicht auf der Platte stand?

Als Throl wieder mitmischte, kam der Gastgeber zurück ins Spiel. Nach dem 12:14 und 14:16 erzielte er selbst den 16:16-Ausgleich (42). Der OHC blieb dank der Tore von Sascha Klimczak im Geschäft, die Preussen dank der Treffer der beiden Bachmann-Brüder (zusammen 15). Als Denny Groth mit einem Kullertor vom Kreis das 19:19 für Oranienburg erzielte, stand das Spiel auf des Messers Schneide (47.). OHC-Keeper Gunar Tredup hielt einen Siebenmeter, die Berliner trafen den Pfosten.

Nach Klimczaks Tor zum 20:19 gab der OHC die Führung nicht mehr ab. 23:21, 26:22 (57.) lauteten weitere Zwischenstände. Aber die Bachmann-Tore, mit Brachialgewalt aus dem Rückraum erzielt, zögerten die Entscheidung hinaus. Erst die Tore von Stephan Fuchs und Tim Fröhlich stutzten dem Adler endgültig die Flügel. „Unsere Stärke ist eigentlich, dass wir zum Schluss noch Kraftreserven haben. Das war heute nicht so, weil ich in der Woche mitunter aus gesundheitlichen Gründen nur vier Spieler beim Training hatte. Und uns fehlten zwei Rückraumspieler, darunter der Ex-Oranienburger Justus Loge“, sagte Preussen-Trainer Peter Frank nach der Partie. „Aber den Oranienburgern ging es ja personell nicht anders.“

OHC: Büchner, Tredup – Stelzig, Throl (3), Lehmann, Siegler, Pommerening, Schröder (1), Groth (5), Fröhlich (3), Klimczak (8), Starke (4/4), Fuchs (3).

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 26.01.2009, Stefan Blumberg


Mit Kampf und Klimczak Handball-Regionalliga

Revanche geglückt, Platz drei zurückerobert: Handball-Regionalligist Oranienburger HC behielt am Sonnabend vor heimischer Kulisse gegen den BFC Preussen Berlin mit 28:26 (11:12) die Oberhand und machte damit die 20:32-Hinspielschlappe vergessen.

Es war nicht sein Tag, auch nicht der, seiner Mannschaft. Als die 60 Spielminuten vorbei waren, ging der emotional aufgewühlte Peter Frank, Trainer des BFC Preußen, geradewegs auf das Schiedsrichtergespann zu, um noch ein paar Dinge zu klären. Was er den beiden Unparteiischen mit auf den Weg gab, ist nicht überliefert. Frank ließ sich im Nachhinein auch zu keiner Aussage darüber hinreißen. Lieber machte er die aus seiner Sicht unnötige Niederlage seines Teams an anderen Dingen fest: "Unter der Woche waren nur vier Spieler beim Training, der Rest hatte Grippe. Deshalb sind wir konditionell hinten raus eingebrochen, was sonst gar nicht unsere Art ist", suchte Frank nach Erklärungen und fügte etwas wehmütig hinzu: "Ausgerechnet hier passiert uns das. Gegen Oranienburg wollten wir unbedingt gewinnen und wir hätten den OHC auch schlagen können."

Hätte, Wenn und Aber zählten am Ende nicht. Der Sieger hieß Oranienburg, und das auch nicht unverdient, oder wegen irgendwelcher strittiger Schiedsrichter-Entscheidungen. Man hatte einfach das Gefühl, dass die Kreisstädter den Sieg an diesem Tag schlicht etwas mehr wollten, als die Preußen: "Spielerisch war das nicht gerade das Gelbe vom Ei", erklärte ein freudestrahlender Holger Winselmann, Trainer des OHC, nach dem Abpfiff. "Aber die Spieler haben gekämpft bis zum Umfallen und dafür muss ich meiner Mannschaft einfach ein Riesenkompliment zollen."

Von der ersten Minute an war den Gastgebern anzumerken, dass sie sich für die Demütigung im Hinspiel, als man sich phasenweise von den Preußen vorführen ließ, rehabilitieren wollten. Dabei ließen sich die Kreisstädter auch nicht von der kuriosen "Kriegsbemalung" der Preußen irritieren. Sämtliche BFC-Spieler hatten sich nämlich schwarze Streifen ins Gesicht gemalt. Doch mit einem überragend aufgelegten OHC-Keeper Enrico Büchner im Rücken, der in den ersten 20 Minuten mehr als 50 Prozent der Würfe, die auf sein Tor kamen, hielt, dominierten die Oranienburger die Anfangsphase. Und weil es zu diesem Zeitpunkt auch noch im Angriff gut lief, führte die OHC-Sieben in der 18. Minute bereits mit 8:4. In der Folge schlug dann die Stunde von Maurice Castillo, dem Keeper der Preußen. Bis zur Halbzeitpause konnten ihn die Oranienburger nur noch viermal überwinden. "In dieser Phase war unsere Chancenauswertung einfach katastrophal", sagte Winselmann. Auf der Gegenseite kam Goalgetter Paul Bachmann immer besser in Schwung und brachte die Preußen beim 9:10 erstmals in Führung. Zur Pause stand es 11:12. Alles lief auf einen Handball-Krimi hinaus.

In Abschnitt zwei legten die Gastgeber kämpferisch noch zu. Vor allem ein Akteur riss das Spiel nun in unnachahmlicher Weise an sich und den Rest des Teams mit sich: Sascha Klimczak. Immer wieder suchte er die Eins-zu-eins-Situationen und brachte den OHC damit auf die Siegerstraße. Die Wucht, mit der er den Mittelblock der Preußen immer wieder überwand, kompensierte auch die unterdurchschnittliche Chancenverwertung seines Teams von den Außenpositionen (Christian Riedel und Ricardo Tourmo fehlten, Erik Pommerening hatte nicht seinen besten Tag erwischt). Da Büchner weiter stark hielt und die Abwehr viele Bälle eroberte, erarbeiteten sich die Kreisstädter bis zum 26:22 (56.) einen komfortablen Vorsprung. Auch die starken Bachmann-Brüder, Paul und Max - beide warfen zusammen insgesamt 14 Tore - konnten die Saisonpunkte 23 und 24 für den OHC nicht verhindern.


OHC: Tredup, Büchner - Fuchs (3), Stelzig, Throl (4), Lehmann, Siegler, Pommerening, Schröder (1), Groth (5), Fröhlich (3), Klimczak (8), Starke (4)

Presseartikel Oranienburger Generalanzeiger, 26.01.2009, Thomas Gutke


„Im richtigen Moment zugeschlagen“

Erik Pommerening war am Sonnabend ein gefragter Mann. Nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Christian Riedel stand er auf der Rechtsaußenposition allein da. Mit dem 21-Jährigen sprach MAZ-Redakteur Stefan Blumberg.

MAZ: Sie hatten bislang nicht so viele Einsatzzeiten. Wann war Ihnen klar, dass Sie Riedels Lücke fast allein füllen müssen?

Erik Pommerening: Als Christian sagte, dass er nicht spielen kann.

Hat der Trainer mit Ihnen noch einmal extra über das Spiel geredet?

Pommerening: Nein. Vorm Spiel hat er mir nur alles Gute gewünscht.

Wie würden Sie Ihre eigene Leistung einschätzen?

Pommerening: Na ja, im Angriff war es nicht besonders. Mir ist leider kein Tor gelungen. In der Abwehr lief es aus meiner Sicht besser.

Sie haben fast durchgespielt. Reichten die Kräfte?

Pommerening: Es war nicht so ein kraftraubendes Spiel, weil die meisten Angriffe lange ausgespielt wurden und es nicht so viele Tempogegenstöße gab.

Hatten Sie zwischendurch – gerade Anfang der 2. Halbzeit nach den Rückständen - Angst, dass das Spiel in die Hose gehen könnte?

Pommerening: Nein, gar nicht. Ich glaube, wir haben in den richtigen Momenten zugeschlagen, zum Beispiel, als die Preußen in Unterzahl spielten.

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 26.01.2009, Stefan Blumberg


Von Respekt und Prestige

Handball Oranienburger HC momentan die Nummer 3 im „halben Osten“

Es war das gern hochstilisierte Duell zwischen Berlin und Brandenburg, zwischen dem Oranienburger HC und dem BFC Preussen, zwischen den Maskottchen Puma und Adler. Punktgleich rangierten beide Teams in der Handball-Regionalliga Nordost auf den Plätzen 4 und 3 (je 22:12 Punkte). Es ging am Sonnabend Punkte und den Tausch der Plätze, aber auch um die Rolle, wer hinter dem Erstbundesligisten Füchse Berlin und dem VfL Potsdam die Nummer 3 der Region ist. Weit und breit – im Norden bis Schwerin, im Westen bis Magdeburg, im Süden bis Delitzsch – kommen da nur der OHC und die Preussen in Frage. Und jetzt, nach dem 28:26 der Oranienburger gegen die Berliner, hat das OHV-Team diese Rolle zumindest eine Woche lang inne.

Im Vorfeld war es zwischen beiden Lagern fast mucksmäuschenstill geblieben. Giftpfeile wurden nicht verschossen. Es schien fast friedlich zuzugehen – anders als nach der Oranienburger Hinspielschlappe, als es noch einige gehässige, anonyme Nachspielchen auf den Internetseiten gab. Allerdings wurde Match intern mitunter anders gewertet. Vom Spiel der Titanen oder Giganten war da schon mal zu hören, ohne dass sich von den Protagonisten jemand zu weit aus dem Fenster lehnen wollte. „Wir Spieler kennen uns fast alle, deshalb ist es kein Spiel wie jedes andere“, hatte im Vorfeld OHC-Rechtsaußen Christian Riedel gesagt. Da wusste er noch nicht, dass er krankheitsbedingt fehlen würde. Übrigens genau wie Justus Loge, der in der vergangenen Saison noch für den OHC gespielt hatte und jetzt in Diensten der Preussen ist. Er stand auch nicht im Kader.

Die Brisanz dieses Derbys wurde von den Cheftrainern in beiden Lagern unterschiedlich betrachtet. Bei Oranienburgs Trainer Holger Winselmann kommt keine außerordentliche Genugtuung auf, dass seinem Team der Sieg gegen die Preussen gelungen ist. „Nein, ich freue mich über den Auftritt meines Teams. Ich weiß, dass Peter Frank in Berlin eine gute Arbeit macht, und dass wir gegen diese Mannschaft gewinnen konnten.“

Etwas anders stellt sich die Lage bei jenem Peter Frank dar. „Der OHC war heute anfällig, das hätten wir ausnutzen müssen.“ Und ihn wurmt die Niederlage beim Nachbarn schon. „Solche Derbys will man natürlich gewinnen. Schade, dass wir hier verloren haben. Eine Niederlage bei einem anderen Gegner hätte uns besser zu Gesicht gestanden als die in Oranienburg“, so der Preussen-Trainer.

Presseartikel Märkische Allgemeine Zeitung, 27.01.2009, Stefan Blumberg